Es isch zuagange wia der Deifel

Rieden am Forggensee | cl | Am Samstag zog in Rieden zum 14. Mal der Faschingszug der 'Neuzeit' durch das Dorf. 1994 hatten es Ingrid Mattern und Manuela Steiner in die Hand genommen, nach längerer Abstinenz das Faschingstreiben im Ort wieder 'anzukurbeln'. Aber das 'Maschkere' in der Gemeinde hat schon lange Tradition. So erinnert sich Xaver Scholz, Jahrgang 1921, an seine Jugend: 'Der glumpede Donnerstag war immer ein großer Festtag und schulfrei. Der Faschingsdienstag war damals noch unbekannt.'

Die 'Altweibermühle'

Die Riedener Bevölkerung bestand in den 1930er Jahren zu 70 Prozent aus so genannten 'Kleinhäuslern', also aus Kleinstlandwirten, die sich ein zusätzliches Einkommen in den damaligen Handwerksbetrieben verdienten. 'Es isch trotzdem zuagange wia der Deifel, obwohl Rieden oans vo de der ärmschte Dörfer war', weiß der 86-Jährige weiter. Er erinnert sich daran, wie die 'Altweibermühle' von zwei Ochsen durchs Dorf gezogen wurde: Als alte Frauen maskierte Männlein wie Weiblein stiegen oben ein und kamen unten 'frisch und jung' wieder heraus. Es gab auch 'Schubkarrenrennen' durchs ganze Dorf, die einiges an Kondition erforderten. Und abends wurde dann im Gasthaus 'Rössle' gefeiert - teils bis 'zum Umfallen'.

Herolde verkünden Schandtaten

Nach dem Krieg traf man sich in der Faschingszeit meist bei der 'Zenzi' - sie war die Wirtin des Gasthofs 'Morgenstern', eine Wirtschaft im Oberdorf, die heute nicht mehr existiert. Dort wurden Einakter, später auch Mehrakter gespielt. Diese Theaterspielerei brachte, zumindest an den närrischen Tagen, eine gewisse Abwechslung ins Dorf. Zudem waren Herolde hoch zu Roß unterwegs und verkündeten die Schandtaten, die im Laufe eines Jahres im Dorf passiert waren.

Lange Pause nach einem Eklat

Ende der 1950er Jahre begann man dann mit kleineren Umzügen, die meistens aber nur das örtliche Geschehen aufs Korn nahmen. Ausgelöst durch einen Eklat auf einem der Wagen, wo es um persönliche Verunglimpfungen ging, ließ für lange Zeit die Tradition des Faschingsumzuges ruhen. Ja, bis eben die beiden oben genannten Damen die Tradition wieder aufleben ließen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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