Es gibt keine Beweise, nur Indizien

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Kempten (fro/mic). 'Das ist schon eine komische Situation', meint Rad-Profi Sebastian Siedler zum Rücktritt von Jan Ulrich. Erst kürzlich war der Milram-Fahrer noch bei der Mallorca-Rundfahrt für seinen Kapitän Erik Zabel unterwegs. Zur Konkurrenz gehörten auch Francisco Mancebo und Oscar Sevilla - beide werden wie auch Jan Ulrich mit dem spanischen Doping-Netzwerk um den Arzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht.

Einerseits könne der 29-jährige Siedler aus Buchloe die Entscheidung Ulrichs nachvollziehen: 'Es gibt kein abgeschlossenes Verfahren und keine Beweise, sondern nur Indizien gegen ihn.' Andererseits sei die Situation so verfahren, dass Ulrich lediglich mit dem Beweis seiner Unschuld aus der Lage wieder heraus kommen konnte. 'Das wäre normal gewesen. Denn so ist Ulrich unglaubwürdig', meint Siedler. Ohnehin sei der Auftritt des ehemaligen Tour-de-France-Siegers ein 'schlechter Abschluss' für dessen Karriere gewesen. 'Man kennt aber auch nicht die Hintergründe und wie Ulrich beraten wurde', so der Buchloer. In Italien zum Beispiel frage kaum einer mehr nach dem Doping-Skandal, weshalb Ivan Basso unbehelligt bleibe. Ähnlich sei das in Spanien: 'Da waren Mancebo und Sevilla schon wieder ganz normal in unterklassigen Teams dabei', erzählt Siedler. Von einer Amnestie, um die seltsame Situation zu klären, hält er nichts: 'Eine Amnestie wäre eine riesengroße Schweinerei. Die 40 Fahrer, die betrogen haben, müssen auch bestraft werden', so der 29-Jährige. Er hofft auch, dass Fahrer wie Basso bei Rennen wie der Tour de France ausgeschlossen werden. Siedler hat wie die anderen Teammitglieder des Rennstalls eine Erklärung unterschrieben: So bald ein Milram-Fahrer unter Doping-Verdacht gerät, muss er eine DNA-Probe abgeben, erklärt er. Am Samstag wird Siedler nach vielen Trainingskilometern und der ersten Rundfahrt auf Mallorca beim Halbklassiker 'Het Volk' in Belgien starten. 'Ich hoffe auf eine gute Platzierung. Aber für einen Sieg fehlt mir die Kenntnis der Strecke.'

Weitere Stimmen:

Rad-Weltmeisterin Jutta Schubert (39), RSC Kempten: 'Schade, dass Jan Ullrichs Karriere so endet. Ich hätte mir gewünscht, dass er’s nochmal beweisen kann. Er wird selbst wissen, warum er zum Dopingverdacht nichts sagt. Allerdings: So wirkliches Vertrauen kann man ihm jetzt nicht mehr entgegen bringen. Im Prinzip hatte Jan Ullrich keine andere Möglichkeit, als seine Sportlerkarriere zu beenden, solang er vom Doping-Verdacht nicht frei gesprochen ist. Für mich ist das weit weg - aber man muss davon ausgehen, dass auf Profi-Ebene Doping Gang und Gäbe ist. Persönlich anschwärzen sollte man trotzdem niemanden.'

Bayerischer Meister Christoph Kirchbihler (20), RSV Sonthofen: 'Es ist ziemlich feige, dass Jan Ullrich nicht sagt, was in Spanien tatsächlich war. Würde er seine Fehler gestehen, könnte er aufrechter gehen. Die Sache mit der Ecstasy-Pille damals hat er auch zugegeben und seine Fans sind ihm treu geblieben. Doping ist im Profi-Sport weit verbreitet. Jeder spielt mit seiner eigenen Gesundheit. Die Frage ist: Wie weit bin ich bereit zu gehen? Im Sommer, als Ullrich suspendiert wurde, habe ich entschieden, kein Profi zu werden.'

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