Memmingen
«Es gab viele Tränen zum Abschied»

Zehn Tage lang waren fünf Männer der Memminger Malteser im Auslandseinsatz, um Erdbebenopfer in den Abruzzen zu betreuen. Im April hatte ein Beben die italienische Region und deren Hauptstadt LAquila schwer erschüttert.

«Nach elf Stunden Fahrt und 960 zurückgelegten Kilometern war unser erster Eindruck aus der Ferne etwas irritierend», erzählt Bezirksgeschäftsführer Bruno Ollech. «Die Städte sahen aus, als wäre nichts passiert.» Bei näherem Hinsehen habe sich das Ausmaß der Katastrophe aber gezeigt. «Häuser lagen in Schutt und Asche, andere hatten Risse und Löcher», fügt Ollech hinzu. «Den obdachlosen Menschen blieb oft nichts anderes übrig, als in eines der 45 Zeltlager zu ziehen.» So auch 450 Bewohnern des Bergdorfs Poggio di Roio. Sie kamen in einer Zeltstadt unter, die auf einem Parkplatz der dortigen Hochschule errichtet worden war. In diesem Lager halfen die Memminger Malteser.

Kirchen- und Schulzelt

«Unser Camp war sehr gut ausgestattet», betont Ollech. «Blaue Sechsmann-Zelte bildeten Längs- und Querreihen, die mit Straßenschildern versehen wurden.» Neben einem Küchenzelt, Arzt- und Zahnarztzelten sowie Waschcontainern, gab es ein Kirchen- und ein Schulzelt. Mit einem Linienbus konnten die Bewohner in die Stadt fahren.

«Dennoch legten wir unser Augenmerk darauf, die Infrastruktur des Camps weiter zu verbessern», sagt Ollech. «So haben wir beispielsweise die Elektronikversorgung des Lagers komplett neu eingerichtet, die Kühlzelle repariert, einen Pizzaofen installiert und eine Holztreppe als Zugang zu einem Wohncontainer sowie einen Sonnenunterstand gebaut.» Bei 42 Grad im Schatten mussten auch Klimaanlagen repariert und Tausende Wasserflaschen geschleppt werden. Außerdem zählten Zugangskontrollen, Essensausgabe, Versorgung der Opfer sowie Sanitäts- und Reinigungsdienst zu den Aufgaben der Memminger Malteser.

«Die Essensversorgung war typisch italienisch», erinnert sich Ollech. Zum Frühstück gabs Kaffee und Kekse, zum Mittag- und Abendessen jeweils zwei Gänge und eine Nachspeise. Trotz des Schicksals, das die Menschen dort erlebt haben, seien sie frohen Mutes und dankbar. «Und obwohl in LAqulia täglich immer noch bis zu zwölf Erdstöße das Gebiet erschüttern, wollen die Bewohner ihre Region nicht verlassen. «Das ist ihre Heimat», betont Ollech.

Wenig Schlaf

Er selbst habe viele Freundschaften mit Bewohnern und anderen Hilfskräften geschlossen. «Es gab viele Tränen beim Abschied.» Er sei mit Wehmut weggefahren, auch wenn der Hilfseinsatz bei hohen Temperaturen und wenig Schlaf sehr anstrengend gewesen sei.

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