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Knochenbrüche & Co.
Erste Hilfe bei Fahrradunfällen: BRK Oberallgäu gibt Tipps zum richtigen Verhalten

Symbolbild.

Während der Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen waren vielerorts auffallend viele Fahrradfahrer zu sehen. Sportliche Rennradler, E-Biker, Senioren und Familien nutzten das schöne Wetter und die unerwartete freie Zeit, um die schöne Landschaft, Sonne und frische Luft zu genießen. „Wenn die Fahrradsaison so richtig losgeht, steigen leider auch die Zahlen von Unfällen, an denen Radler beteiligt sind“, weiß Frank Schönmetzler, Ausbildungsleiter des BRK Oberallgäu. Er erklärt die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen, die - unter Berücksichtigung der aktuell geltenden Sonderregelungen während der Corona-Krise - bei Fahrradunfällen in Stadt und Gelände wichtig sind.

„Die häufigsten Verletzungen bei Fahrradfahrern sind Knochenbrüche, Gelenkverletzungen, Platz- und Schürfwunden sowie Schädelverletzungen bis hin zu schweren Schädel-Hirn-Traumata“, sagt Frank Schönmetzler. Er appelliert: „Sinnvoll ist es, bei jeder Fahrradtour ein Erste-Hilfe-Set dabei zu haben. Diese gibt es von verschiedenen Sportartikelherstellern speziell für Radler.“

Im Gegensatz zu offenen Wunden sind innere Verletzungen, Knochenbrüche und Gelenkverletzungen für den Laien oft nicht eindeutig zu erkennen. „Hinweise auf Knochenbrüche und Gelenkverletzungen sind beispielsweise unnatürlich verdrehte Gliedmaßen, gefolgt von starken Schmerzen und Bewegungseinschränkung oder Bewegungsunfähigkeit. Der Betroffene nimmt meist automatisch eine Schonhaltung ein.

Maßnahmen bei Knochenbrüchen und blutenden Wunden

  • Unfallstelle sichern
  • Bei schwererem Unfallgeschehen, starken Blutungen und (Kopf-)Verletzungen => Notruf 112 verständigen
  • Bruchstelle bzw. Gelenk nicht bewegen. Keine Einrenkungs- oder Bewegungsversuche unternehmen!
  • Verletzten Körperbereich ruhigstellen (evtl. mit Schiene, Armschlinge)
  • Geschlossenen Bruch, wenn möglich, vorsichtig mit nassen Tüchern kühlen
  • Offenen Bruch mit sauberer (wenn möglich: steriler) Wundauflage bedecken
  • verletzt Gliedmaßen vorsichtig umpolstern (z.B. mit fest gerollten Kleidungsstücken o.Ä.)
  • bei stark blutender Wunde => Druckverband anlegen, Notruf 112 verständigen

„Innere Verletzungen, zum Beispiel durch den Fahrradlenker, können sich durch Blutergüsse und blaue Flecken am Rumpf, gekoppelt mit häufig erst später einsetzenden Schmerzen im Bauch, eine harte Bauchdecke und Schocksymptome wie kaltem Schweiß, Blässe und Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit bemerkbar machen. Schädel-Hirn-Traumata, zu denen auch Gehirnerschütterungen zählen, erkennt man an Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Desorientiertheit, Verwirrtheit, Erbrechen, Seh-, Bewegungsstörungen oder Sprachstörungen“, so der Experte. „In beiden Fällen muss sofort der Rettungsdienst unter 112 alarmiert werden.“

Maßnahmen bei Inneren und Kopfverletzungen

  • Bei Hinweise auf Schädel-Hirn-Trauma => Notruf 112 verständigen
  • Betroffener ist bei Bewusstsein => mit dem Verletzten sprechen, beruhigen, Oberkörperhoch lagern
  • Bei Schocksymptomen => auf den Rücken legen, Beine hochlagern
  • Bei Bewusstlosigkeit:
  • Helm des Betroffenen vorsichtig abnehmen
  • stabile Seitenlage
  • eventuelle Fremdkörper aus dem Mund entfernen
  • ständig Atmung und Herzschlag kontrollieren. Während Corona gilt: Atmung am besten mit Abstand, anhand des Hebens und Senkens des Brustkorbs prüfen
  • bei fehlender Atmung und Herzschlag: Herzdruckmassage durchführen. Während Corona gilt: bei haushaltsfremden Personen derzeit auf Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten. Ausnahme: Familienmitglieder und Kleinkinder

Wichtige Hinweise für Mountainbiker

Bei einem Fahrradunfall in unwegsamem Gelände herrscht womöglich kein Handyempfang. Frank Schönmetzler weiß Rat: Schalten Sie Ihr Handy aus und dann wieder ein, OHNE den PIN einzugeben. Wählen Sie dann den Euro-Notruf 112. Das Gerät sucht nun ausreichende Signale anderer
Netzanbieter. Falls das nichts bringt müssen Sie den Standort wechseln – auf Anhöhen herrscht eher Empfang – und es erneut per Euro-Notruf versuchen.“

„Unser Rettungsdienst berichtet, dass derzeit aufgrund von Corona große Verunsicherung bei potenziellen Ersthelfern herrscht. Darum ist es sinnvoll, sich mit den geltenden Sonderregelungen vertraut zu machen. Denn grundsätzlich besteht auch während der Corona-Pandemie die Pflicht zur Hilfeleistung bei Notfällen.“ Der Experte rät allen Verkehrsteilnehmern, regelmäßig ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen. Das BRK bietet in Kempten und dem Allgäu regelmäßig entsprechende Kurse an.

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