Kaufbeuren
Erst gebechert und dann gefahren

Er hatte sich mit Freunden zu einem Trinkgelage am Kaufbeurer Blasiusberg getroffen und dabei nach eigenen Angaben «unendlich viel Bier und Schnaps» konsumiert. Dies hinderte einen 20-jährigen Kaufbeurer aber nicht daran, sich im Juni ans Steuer seines Autos zu setzen. Beim Kemptener Tor verlor er die Kontrolle über den Wagen und rauschte erst in ein Verkehrsschild und anschließend in ein Geländer. Danach machte er sich aus dem Staub, wurde aber wenig später von der Polizei gestellt, als er gerade zwei platte Reifen wechseln wollte.

In der Verhandlung vor dem Jugendgericht war der Angeklagte grundsätzlich geständig und einsichtig. Vom Unfall wusste er aber angeblich so gut wie nichts mehr. Auch hatte er keine Erinnerung mehr daran, dass sein damaliger Beifahrer offenbar noch versucht hatte, ihn von der Fahrt abzubringen. Die «massive Gefährdung» des Begleiters führte jetzt dazu, dass die Richterin im Urteil keine Zweifel an einer fahrlässigen Straßenverkehrsgefährdung hatte. Sie sprach den Angeklagten schuldig. Er wurde richterlich verwarnt und muss 1200 Euro Geldbuße bezahlen sowie an mehreren Stunden Gruppensuchtberatung teilnehmen. Sein eingezogener Führerschein bleibt noch weitere zwölf Monate gesperrt.

Anders als der Verteidiger, der angesichts eines Blutalkoholwerts von 2,19 Promille eine Verurteilung wegen fahrlässigen Vollrauschs beantragt hatte, hielt die Vorsitzende die Schuldfähigkeit des Angeklagten für nicht entscheidend beeinträchtigt: Der junge Mann sei laut eigener Schilderung erhebliche Alkoholmengen gewohnt. Zudem habe er bei einer ärztlichen Untersuchung in der fraglichen Nacht kaum Ausfallerscheinungen gezeigt.

Einigkeit bestand vor Gericht darüber, dass der Angeklagte unbedingt seine Einstellung zum Alkohol überdenken sollte. Der junge Mann hatte über Trinkmengen von zehn Bier pro Wochenendabend gesprochen und von sich aus erwähnt, dass bei ihm im Februar erhöhte Leberwerte festgestellt worden waren. Danach hatte er seinen Alkoholkonsum offenbar nur so lange stark eingeschränkt, bis die Werte wieder besser waren.

Angesichts derartiger Verhaltensweisen hielten jetzt alle Verfahrensbeteiligten die Kontaktaufnahme zu einer Suchtberatungsstelle für unerlässlich.

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