Füssen / Ostallgäu
Erleichterung und Betroffenheit zugleich

Sie strahlt Ruhe aus, die kleine Gesprächsecke in den Amtsräumen des Füssener Dekans. Durch die großen Fenster mit Blick zum Garten dringt die Frühlingssonne, ein Zimmerbrunnen plätschert zwischen viel Grün.

Ebenso ausgeglichen wirkt Frank Deuring selbst. Mit ruhiger Stimme spricht der Oberhirte der katholischen Kirche im südlichen Ostallgäu über die Ereignisse, die seit Wochen die Diözese erschüttern. Der gestern bekannt gegebene Rücktritt von Bischof Walter Mixa, so scheint es, hat ihm eine Bürde genommen.

«Autorität war beschädigt»

«Die Lage hatte sich so zugespitzt, dass diese Reaktion dringend erforderlich war», ist Deuring sicher. Als der Augsburger Bischof vergangene Woche entgegen früherer Beteuerungen einräumte, als Schrobenhausener Stadtpfarrer auch die eine oder andere Ohrfeige verteilt zu haben, sei die Entwicklung abzusehen gewesen. «Er hätte das nicht mehr gutmachen können», glaubt der Dekan. «Seine Autorität war beschädigt, die Vorbildfunktion nicht mehr gegeben - er hätte die Diözese nicht mehr leiten können.»

Durch den Rücktritt habe der Bischof aber nicht nur Schaden vom Bistum abgewendet, er habe auch eine weitere Verunsicherung der Gläubigen verhindert, so Deuring. Viele Kirchgänger hätten unter der Situation gelitten, sagt der Dekan, manchem Pfarrer sei sie «an die Substanz» gegangen.

Auf der anderen Seite löse diese Entwicklung bei vielen tiefe Betroffenheit aus. «Bischof Mixa ist menschlich sehr geschätzt», betont Deuring. Gerade seine offene, zugängliche Art habe ihm bei Geistlichen und Gläubigen ein hohes Maß an Sympathie eingebracht.

«Situation hat belastet»

Auch Pfrontens Pfarrer Bernd Leumann ist erleichtert über die jetzt gefundene «Klarheit». «Die Situation hat mich sehr belastet», sagt er. «Gerade an Ostern war es schwer, vor die eigene Gemeinde zu treten.» Jetzt könne er wieder mit voller Energie seiner eigentlichen Aufgabe - die Seelsorge und Verkündigung des Evangeliums - nachgehen.

So wie Pfarrer Leumann glaubt auch Manfred Sailer, Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Füssen, dass es lange dauern werde, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. «Wer der Kirche in letzter Zeit den Rücken gekehrt hat, kommt so schnell nicht zurück.» Knackpunkt sei dabei auch die fehlende Ehrlichkeit, die viele enttäuscht habe. «Die Ohrfeigen selbst wären halb so schlimm gewesen, die gab es damals auch anderswo.»

Christel Kaltenbach vom Pfrontener Pfarrgemeinderat sieht das ähnlich: «Auch ein Bischof ist nur ein Mensch mit all seinen Schwächen.» Der Schlussstrich eröffne nun die Chance für einen Neuanfang. Wobei es bitter sei, dass die Gemeinden zu spüren bekämen, was andernorts ausgelöst wurde.

«Der Rücktritt lag in der jetzigen Situation nahe», findet Schwangaus Pfarrer Edmund Gleich. Sein Vertrauen in den Bischof sei aber keinesfalls geschwunden. Ein Treffen mit Mixa in der Wies habe dies kürzlich nur bestätigt. Vielmehr zeigt sich der dienstälteste Pfarrer im Dekanat verärgert über die Darstellung der Medien. «Was dort in den vergangenen Wochen transportiert wurde, war mehr als zweifelhaft» und habe nur eine einzige Seite gezeigt - «und das oft überzogen.»

«Wenn die eine Kirche leidet, gehts auch der anderen nicht gut», nimmt schließlich der evangelische Pfarrer Joachim Spengler Anteil an den Problemen. Das angekündigte Moratorium Mixas gebe die Zeit für Aufarbeitung und Neuanfang.

Gemeinsam für die Kirche beten - das wollen Füssener Gläubige am nächsten Mittwoch, 19 Uhr, in der Spitalkirche.

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