Oberstdorf / Sonthofen
Erkrankung von 150 Wanderern - Noro-Virus nicht ausgeschlossen

Die massenhafte Erkrankung von Bergwanderern nach dem Besuch der Rappensee-Hütte in den Allgäuer Alpen ist offenbar nicht allein durch Keime im Trinkwasser ausgelöst worden.

Nach Angaben des Landratsamts Oberallgäu ist nicht auszuschließen, dass ein Hüttengast eine Infektion mit dem Norovirus eingeschleppt und andere Besucher angesteckt hat. In Verbindung mit dem unsauberen Trinkwasser könnte dies die gravierenden Beschwerden bei 150 Hüttengästen verursacht haben.

Konkrete Ergebnisse der Untersuchungen lägen allerdings noch nicht vor, sagte eine Sprecherin des Landratsamts am Nachmittag. Nach Angaben von Bergwachtchef Andreas Tauser haben Oberstdorfer Ärzte den hoch infektiösen Norovirus als Verstärker der massenhaften Magen-Darm-Probleme in Verdacht.

Die Mediziner hatten sich am Wochenende zu benachbarten Berghütten fliegen lassen, um dort ankommende Wanderer mit Beschwerden umgehend behandeln zu können. Auf diesen Hütten bestehe nach ärztlichen Angaben keine Infektionsgefahr, betonte Hüttenwirt Jochen Krupinski von der Mindelheimer Hütte.

Auf der Enzianhütte, die am selben Weg rund 300 Meter unterhalb der Rappensee-Hütte liegt, wurde nach Angaben von Hüttenwirtin Ines Schwegler allerdings bereits am Sonntag ein Quarantäneraum eingerichtet, um Verdachtsfälle absondern zu können.

Seitdem wurde dort ein Jugendlicher untergebracht, der von der Rappensee-Hütte abgestiegen war. Er wurde heute mit dem Hubschrauber abgeholt und in eine Klinik gebracht.

Damit erhöhte sich die Zahl der Betroffenen die im Krankenhaus stationär behandelt werden mussten seit Freitag auf 44. Die wahrscheinliche Ursache der Wasserverunreinigung ist nach Angaben von Harald Platz, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Allgäu/Kempten und Hausherr der Rappensee-Hütte, in der Desinfektionsanlage der Trinkwasserversorgung zu suchen. Wie bei vielen kommunalen Wasserversorgungen auch, werde das Quellwasser auf der Hütte mit UVLicht bestrahlt um Keime abzutöten.

Der Hüttenwirt habe Mitte voriger Woche bei der täglichen Kontrolle bemerkt, dass die Lampe nicht mehr die volle Leistung bringe und deshalb Ersatz bestellt. Weil die frühere Lieferfirma inzwischen in Konkurs sei und das Paket eines anderen Herstellers bis zur Hütte zwei Tage unterwegs war, habe die Lampe erst am Freitag ausgewechselt werden können.

Die Kriminalpolizei hat inzwischen die Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen. Ein Sprecher der Polizei sagte am Montag, dass die Beamten gegen 'den für die Trinkwasseraufbereitung Zuständigen' ermittelten. Ob es sich dabei um den Deutschen Alpenverein DAV als Betreiber oder den Hüttenpächter handelt ließ der Sprecher offen.

Seit heute Morgen ist eine Kemptener Spezialfirma mit der Desinfektion der gesamten Hütte beschäftigt, die bis voraussichtlich Mittwoch geschlossen bleibt.

Wegen des Verdachts auf eine Norovirus-Infektion werden diese Arbeiten besonders gründlich durchgeführt. Nach Angaben des Alpenvereins müssen nicht nur Wasserleitungen Toiletten und Waschräume desinfiziert werden, sondern auch die Schlafräume, Matratzen, Decken, Kissen und vor allem der Küchenbereich.

Die Rappensee-Hütte liegt am berühmten Heilbronner Weg, der über die Gipfelgrate des Allgäuer Hauptkamms führt und jährlich von rund 10.000 Bergwanderern begangen wird.

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