Kempten
Er geht an den Hindukusch, sie und die Kinder bleiben zurück

Tamara und Michael sind ein glückliches Paar. Jede freie Minute verbringen die Allgäuer mit ihren beiden Kindern. Doch nach dem gemeinsamen Sommerurlaub ist damit bald Schluss. Michael ist Berufssoldat und hat seine Papiere für den nächsten Afghanistan-Einsatz bereits in der Tasche. Im November geht es für ihn an den Hindukusch. Die AZ wird die Familie (Familienname und Wohnort werden aus Einsatzgründen nicht genannt) in den nächsten Monaten begleiten.

Weihnachten und Silvester wird die 31-jährige Tamara mit ihren beiden Kindern (fünf und zehn Jahre) zu Hause feiern, während ihr Mann in einem hermetisch abgeriegelten Camp erneut Teil der internationalen ISAF-Mission sein wird. Michael ist Soldat im Gebirgssanitätsregiment 42 und das wird ab November erneut Teil des Sanitätsleitverbands des Bundeswehrkontingents in Afghanistan.

Für den 34-jährigen Hauptfeldwebel, der seit 13 Jahren in der Kemptener Ari-Kaserne arbeitet, sind Auslandseinsätze nichts Neues: 2002 war er ein halbes Jahr im Kosovo und 2005 ein Vierteljahr in Kabul stationiert. Der Rettungsassistent weiß, dass gerade seine Einheit laufend bei Auslandsmissionen gefragt ist. Er ist sich bewusst, wie gefährlich ein Einsatz werden kann: «Die Lage in Afghanistan hat sich weiter verschärft.

» Laufend würden Mitglieder der internationalen Schutztruppe angegriffen. Dennoch ist er von der Notwendigkeit des Einsatzes überzeugt, betont, dass die internationale Staatengemeinschaft das Land nicht den Taliban und Drogenbaronen überlassen dürfe.

Deshalb bereitet sich der Familienvater derzeit besonders gründlich vor. Zur siebenwöchigen Einsatzausbildung gehört das richtige Verhalten bei Konvoi-Fahrten, Anschlägen oder Gefechtssituationen oder wenn Soldaten verwundet werden. Der Sanitäter lässt sich zudem noch einmal bei der medizinischen Ausstattung auf den neuesten Stand bringen: Defibrillator, Spritzenpumpe oder Patientenmonitor stehen auf dem Stundenplan. Eine Woche lang wird der Allgäuer auf die Rolle als Kommandant im Sanitätspanzer Fuchs vorbereitet.

Immer wieder Unverständnis

Im Bekanntenkreis stößt der 34-Jährige bezüglich seines bevorstehenden Einsatzes immer wieder auf Unverständnis. «Manch einer spricht leichtfertig von Urlaub in Afghanistan», sagt er. Es gebe aber auch Freunde, die sich schlau machen und Angst um ihn haben: «Wer will schon vier Monate ohne viel Privatsphäre in einem Container leben und im afghanischen Winter bei minus 17 Grad Dienst tun?»

Private Ausflüge aus dem Camp sind für die Bundeswehrsoldaten verboten. Was den Kemptener Sanitätern bleibt, sind Kinoabende, Joggen innerhalb des Sandsackwalls und ein Fitnessraum. Zudem gibt es einen Kaufladen, die Feldpost und eine Lagerkneipe, in der sich die Soldaten verschiedener Nationen abends auf einen Plausch treffen.

Für Tamara ist der nächste Einsatz ihres Mannes ein Stück Normalität einer Soldatenfamilie. Sie kann sich dabei auf den Rückhalt einer großen Familie stützen. Den Kontakt zu Michael hält die gelernte Hotelfachfrau über Telefon und Internet, so werden auch regelmäßig Bilder ausgetauscht. Und dennoch: Die 31-Jährige hat auch große Angst um ihren Mann, denn «die Taliban sind einfach unberechenbar».

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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