Ende der Bärenmarke-Produktion bei Nestlé geht ohne Entlassungen ab

Von Reinhold Löchle | Biessenhofen/Ostallgäu Die Produktion der traditionsreichen 'Bärenmarke' im Nestlé-Werk Biessenhofen geht 2008 zu Ende. Dies soll aber keine Entlassungen zur Folge haben, berichtete gestern Werksleiter Thomas Seibert unserer Zeitung.

Auch wenn das Biessenhofener Werk im Volksmund nach wie vor häufig mit 'die Bärenmarke' bezeichnet wird: Schon seit 2003 gehört die Kondensmilchmarke nicht mehr zu Nestlé. Damals verkaufte der Konzern sie an den Milchverarbeiter Hochwald in der Pfalz. Es wurde jedoch vereinbart, dass in Biessenhofen noch bis Mitte 2008 die Kaffeemilch mit dem Bärchenpaar auf dem Etikett in Flaschen abgefüllt wird. Die Hoffnungen der Belegschaft, dass Hochwald den Vertrag verlängert, haben sich nicht erfüllt. Bei einer Betriebsversammlung konnte Werksleiter Thomas Seibert den insgesamt 600 Beschäftigten aber auch eine gute Nachricht übermitteln: Von den etwa 50 direkt oder indirekt betroffenen Mitarbeitern soll keiner entlassen werden.

Vielmehr soll der Bereich Kindernahrung ausgebaut werden, da die Nachfrage nach diesen Produkten weiter steige, erklärte Seibert der AZ. Die Beschäftigten könnten auch in Altersteilzeit gehen, sofern die Voraussetzungen erfüllt seien, oder aber zu Hochwald zu wechseln. Lieber wäre ihm jedoch, 'wenn sie bei uns bleiben'. Schließlich seien es sehr gut ausgebildete Kräfte.

Seibert zufolge ist das Aus für die Kondensmilch nur die 'Vollendung der Nestlé-Philosophie: Raus aus der originären Milchverarbeitung und hin zur Produktion mit höherer Wertschöpfung'. Seit 1912 wird in Biessenhofen die 'Bärenmarke' hergestellt. Seither wurden dafür etwa 5,5 Milliarden Liter Milch verarbeitet. 1991 wurde die Dosenmilch-Produktion nach Weiding verlagert. Im Oktober 2002 wurde die 666 666 6666. Flasche Kondensmilch befüllt, bis Mitte 2008 dürfte es eine Milliarde werden, so Seibert.

Von den insgesamt 77 000 Tonnen Milch, die heuer verarbeitet werden, entfallen 10 000 Tonnen auf Kondensmilch, 11 000 Tonnen auf hypoallergene Kindernahrung und 50 000 Tonnen auf aseptisch abgefüllte Kindernahrung und kulinarische Soßen. Aus 5000 Tonnen Milch werden Cerialien wie zum Beispiel Griesbrei bereitet.

60 Prozent der Produktion geht in den Export. 'Biessenhofen beliefert die Welt', macht Seibert auf die weltweite Bedeutung des Werkes aufmerksam. Die Verstärkung der Schiene 'Spezielle Baby- und Kindernahrung' sei ein weiterer Schritt in der Festigung des Standortes, ist sich der Werksleiter sicher.

Wie der Vorsitzende der Milcherzeugergemeinschaft Biessenhofen, Josef Schrägle, unserer Zeitung sagte, schmerzt die Landwirte zwar der Verlust der traditionsreichen 'Bärenmarke'. Andererseits sei die Nachfrage nach Milch derzeit gut, der Wegfall somit 'schon tragbar'.

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