Lindau / Westallgäu
Eltern und Lehrer lassen beim Minister Dampf ab

Kleinere Klassen, weniger Leistungsdruck in der Grundschule, die Rettung der Hauptschule und vieles mehr - Eltern und Lehrer haben bei einer Diskussionsrunde in Lindau dem Kultusminister eine lange Forderungsliste vorgelegt. Ludwig Spaenle räumte Fehler der bayerischen Bildungspolitik ein.

So deutlich hat in Lindau noch kein Vertreter der Regierung eingestanden, dass die Wahlschlappe der CSU im Herbst vor allem auf die Bildungspolitik zurückzuführen ist. Überhastete Einführung des achtjährigen Gymnasiums, Ideenlosigkeit bei der Hauptschule und zu langes Verzögern von Ganztagsschulen - die Liste der Selbstkritik ist lang. Vor allem, dass der Bildungserfolg in Bayern zu stark von der sozialen Herkunft der Kinder abhängt, sei ein Riesenfehler, räumt Spaenle ein.

Er verspricht, sein Ministerium habe aus den Fehlern gelernt. So verhandle er mit dem Finanzminister über zusätzliche Lehrerstellen. An den Hauptschulen sollen die Schüler von der 5.

Klasse an stärker gefördert werden, damit möglichst jeder einen Abschluss schafft und viele über mittlere Reife, Fachoberschule und anderen Wegen doch noch zu hohen Bildungsabschlüssen kommen. «Die Hauptschule hat keine Probleme, die Hauptschule löst Probleme, die ihr die Gesellschaft überträgt», sagt der Minister und ergänzt, dass dies nicht mehr in ganz Bayern auf die gleiche Weise passieren kann, weil die Probleme zu unterschiedlich sind. Deshalb sollen die Schulen mehr selbst entscheiden dürfen. Außerdem sollen Hauptschulen mit besonderen Angebotenn, zu Mittelschulen aufsteigen.

Kritik aus dem Westallgäu

«Ich hoffe, dass wir nicht eine Hauptschule bleiben, die Mittelschule heißt und keine Mittel hat», entgegnet Gerhard Hoffmann, Rektor der Hauptschule Lindenberg. Er fordert zusätzlich die Gründung von M-Klassen, die auf der Hauptschule zur mittleren Reife führen, schon ab der Klasse 5 und erhält Zustimmung von Weiler-Simmerbergs Bürgermeister Karl-Heinz Rudolph: «Sonst fahren Sie die Hauptschule an die Wand.» Gemeinden und örtliches Handwerk seien aber auf gute wohnortnahe Hauptschulen angewiesen. Auch Landtagsabgeordneter Eberhard Rotter stellt sich gegen den Minister und fordert, dass zumindest große Hauptschulen schon in der fünften Klasse die Erlaubnis bekommen sollten, M-Klassen einzuführen, wie es in drei Hauptschulen nun erprobt wird.

«Jeder fünfte Schüler wandert nach Baden-Württemberg oder Österreich ab», rechnet Lindaus Gesamtelternbeiratsvorsitzender und Stadtrat Matthias Kaiser vor, daran änderten die Ideen des Ministers gar nichts.

Schüler nach Württemberg

Ähnlich sieht es Sigmarszells Bürgermeister Walter Matzner, der berichtete, dass von 30 Viertklässlern der Weißensberger Grundschule nur noch sechs auf die Hauptschule wechseln. Dass 19 Mädchen und Jungen seiner Gemeinde Hauptschulen jenseits der Grenze besuchen, sei eine weiteres Merkmal für das vergleichsweise schlechte Schulsystem im Freistaat. «Wir brauchen mehr Lehrerstunden, damit die Klassen endlich kleiner sind», forderte Christina Rupflin, Vorsitzende des Elternbeirats der Reutiner Grundschule.

Elke Rudolph, Vorsitzende des Kinderschutzbundes, kritisiert den Leistungsdruck schon in der Grundschule, der die Entwicklung der Kinder hemme und keine Rücksicht auf Spätentwickler nehme. Reutins Schulleiter Erwin Unseld sieht die Schulen nicht ausreichend ausgestattet angesichts der Anforderungen heutzutage: «Die Eltern erwarten von uns, dass wir die Aufgaben übernehmen, die sie selber nicht mehr schaffen.»

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