Bad Grönenbach
«Eltern müssten die besten Fachleute für ihr Kind sein»

Der Terminkalender von Christine Haderthauer ist prall gefüllt. Doch die bayerische Sozialministerin scheint die Startphase in den Bundestagswahlkampf zu genießen. Nach einer Betriebsbesichtigung der Hydraulik-Firma Nitsch & Mendler in Memmingen und einem Besuch des Katholischen Vereins für Soziale Dienste (SKM) nimmt sie sich vor ihrem Vortrag zum Thema «Sozial- und Familienpolitik» in Bad Grönenbach Zeit für einen Rundgang über den örtlichen Marktplatz. Dafür nimmt die CSU-Politikerin auch eine zehnminütige Verspätung in Kauf.

Die meisten der rund 70 Besucher des Vortrags und der Kaufbeurer CSU-Bundestagskandidat Stephan Stracke, der die Sozialministerin an diesem Tag durch seinen Wahlkreis führt, quittieren die leichte Verzögerung mit einem Lächeln. «Wer so einen schönen Marktplatz hat, dem kann man eigentlich nicht abnehmen, dass er finanzielle Sorgen hat. Den sollte man besser nicht dem Finanzminister zeigen», scherzt Haderthauer zur Begrüßung. «Dann sollte er mal unseren Bahnhof sehen», so ein Zuruf aus der Zuhörerschaft, der für Erheiterung bei der Ministerin und den Gästen sorgt.

Schnell richtet die 46-Jährige danach ihren Blick auf die aktuelle Politik. Das Thema Wirtschaftskrise nimmt einen großen Teil in ihrer Rede ein. So sei die Kurzarbeit eine wichtige Maßnahme, die zwar Geld koste. Andernfalls würden viele Beschäftigte aber ihren Job verlieren und müssten «auf Kosten der öffentlichen Hand durchgefüttert werden». Auch mache es keinen Sinn, wenn Firmen nach der Krise erst wieder qualifizierte Mitarbeiter zusammensuchen müssen.

Eine Gefahr für die Solidarität innerhalb der Gesellschaft sieht sie in der Diskrepanz zwischen dem Einkommen von Geringverdienern und Arbeitslosen. «Wenn ein Arbeiter weniger netto bekommt als ein Hartz-IV-Empfänger, bin ich im falschen Film.» Wenn sich Leistung nicht mehr lohnt, breche die Solidarität auseinander.

Die Forderung nach mehr Lehrkräften teilt sie nur ansatzweise. An den Schulen sei derzeit nicht die Wissensvermittlung das Problem. Vielmehr sei immer häufiger ein Mangel an sozialer und persönlicher Kompetenz bei den Schülern festzustellen. Daher sei eine Ausweitung der Jugend- und Sozialarbeit an Schulen erforderlich, denn «Jugend- und Sozialarbeit ist gleichzeitig Beziehungsarbeit».

Unsicherheit bei der Erziehung

Leider seien die Eltern aber immer unsicherer bei der Erziehung ihrer Kinder geworden. Dieses Problem gehe durch alle Schichten. Das verstärkte Angebot einer Ganztagesbetreuung sei vom Grundsatz her zwar richtig.

Aber auch nicht berufstätige Eltern würden diese Betreuung in Anspruch nehmen, weil sie glauben, ihr Kind würde andernfalls in Sachen Bildungs- und Entwicklungschance etwas versäumen. «Nach der älteren Generation, nach Krankheit und Pflege wird jetzt auch noch die Kindererziehung ausgelagert», so die provokante These der 46-Jährigen.

Die Hauptverantwortung muss laut Haderthauer weiter bei den Eltern liegen. Denn sie müssten immer noch «die besten Fachleute für ihr eigenes Kind» sein.

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