Kaufbeuren
Einstimmig für die Partnerschaft

Der Kaufbeurer Stadtrat spricht sich einstimmig für die Aufnahme einer Partnerschaft mit Gablonz an der Neiße aus. Insbesondere Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) und sein Parteifreund Dr. Thomas Jahn, der auch Vorsitzender des Gablonzer Heimatkreises ist, hatten intensiv um dieses klare Signal an die tschechische Seite gebeten. Bernhard Pohl (Freie Wähler) entzog sich des Votums dadurch, dass er während der Abstimmung kurz den Sitzungssaal verließ - und so weder für noch gegen die Sache stimmte.

Der Hintergrund: Der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Pohl hatte im Verwaltungsausschuss vor zwei Wochen gefordert, dass dem zwischen Bosse und seinem Gablonzer Amtskollegen Petr Tulpa bereits ausgehandelten Vertragstext die sogenannte Marienbader Erklärung angehängt wird. Diese Erklärung, unterzeichnet von Tschechen und Deutschen, fordert eine Aussöhnung zwischen beiden Völkern unter Berücksichtigung der Vergangenheit - also der Gräueltaten der Deutschen an den Tschechen in der NS-Zeit und jener der Tschechen bei der Vertreibung an den Sudetendeutschen. Pohl hatte kritisiert, dass der aktuelle Vertragstext zu allgemein gehalten sei und die Vergangenheit ausspare. Im Verwaltungsausschuss stimmte er deshalb gegen den bereits ausgehandelten Text.

Jahn gab in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Gablonzer Heimatkreises, der die Interessen der Vertriebenen aus der Stadt und dem Landkreis Gablonz vertritt, eine persönliche Erklärung ab. Die Einstimmigkeit sei ein sehr wichtiges Signal für die tschechische Seite. «Aus den Gesprächen mit Frantisek Chlouba, des Bürgermeisters von Reichenau, und Peter Tulpa kann ich Ihnen versichern, dass beide Bürgermeister wegen ihrer deutschfreundlichen Haltung keinen leichten Stand in der Tschechischen Republik haben.» Nun bestehe die historische Chance, ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen zu öffnen.

Bosse zitierte aus einem Schreiben des Europaparlamentariers Bernd Posselt (Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe), wonach dieser die angestrebte Verbindung eindeutig begrüße. Pohl verwies noch einmal darauf, dass ihm der bereits ausgehandelte Text zu allgemein gehalten sei und für jede beliebige Partnerschaft nutzbar wäre. Er stellte nun den Antrag, dass der Stadtrat beschließen möge, die Partnerschaft zumindest «im Geiste der Marienbader Erklärung» zu begehen. Er verzichtete somit auf seine ursprüngliche Forderung, dass diese originärer Teil des Abkommens sein müsse. Dafür erhielt er aber nur elf von 39 Stimmen (aus den Lagern der Freien Wähler, SPD, Grünen und der Wählerinitiative Neugablonz).

Schließlich ließ Bosse über die Partnerschaft und den ausgehandelten Vertragstext abstimmen. Pohl verließ den Sitzungssaal, das Gremium votierte einstimmig - und Pohl kam zurück. Er erklärte dies damit, dass er ohne die Marienbader Erklärung nicht zustimmen, «das Signal nach Gablonz aber nicht mit einer Gegenstimme belasten wollte». Wenn nun nichts mehr dazwischen kommt, kann die Partnerschaft Ende September in Gablonz, wie vorgesehen, besiegelt werden.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen