Immenstadt / Waltenhofen
Einst erbitterte Gegner lenkten ein

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Beim gestrigen Menschenauflauf zur Übergabe der B 19 neu zwischen Waltenhofen und Immenstadt bildeten sie eher Randfiguren angesichts des Großaufgebots von Politikern. Doch die Bauern, die Land hergeben mussten, damit das 100-Millionen-Bauwerk samt des begleitenden Hochwasserschutzes an der Iller vollendet werden konnte, kamen in den Reden schon zu Ehren. Manche der Anrainer waren einst erbitterte Gegner der jetzigen vierspurigen Strecke. Sie kämpften in der Schutzgemeinschaft Waltenhofen oder in der Bürgerinitiative Untermaiselstein. Aber zu Gerichtsstreit kam es nicht, trotz der mehr als 100 Oberallgäuer, die dort einen Boden hatten. «Wir haben so geplant, dass die Menschen mitmachen konnten», freut sich Landrat Gebhard Kaiser über gelungene Verhandlungen.

Die Familie Lochbihler, die den angestammten Hof im Überschwemmungsgebiet verlassen musste, ist jetzt in Untermaiselstein zu Hause. Ihr Milchviehbetrieb wurde umgesiedelt, wobei Landwirt Lochbihler heute noch dem Verhandlungsführer des federführenden Wasserwirtschaftsamts dankbar ist: «Das war ein patenter Mann». Bauer Florian Meusburger aus Martinszell musste ein halbes Hektar bester Weidefläche opfern. «Land ist das Wertvollste, was der Bauer hat», schildert er, wie schwer es ihm gefallen sei, etwas abzutreten. Auch hier gelang eine gütliche Einigung. Dabei waren zu Beginn fast alle gegen uns, erinnert sich der frühere Leiter des Straßenbauamts, Otto Bittlinger. Sein Nachfolger Bruno Fischle erkennt die letztendliche Befriedung der Grundstückseigner als «das größte Lob, das man einem Straßenbauer machen kann».

Eigentlich hat ja ein Mann vom Wasserwirtschaftsamt derlei Sensibilität bewiesen: Simon Bauer, jetzt in Pension, davor Leiter der Flussmeisterstelle in Sonthofen. Er wurde gestern bei der Verkehrsfreigabe als erfolgreicher «Grundstücksmakler des Oberallgäus gerühmt. Aber auch der frühere Staatssekretär Alfons Zeller erntete Dank, für sein Beharren auf einen vierspurigen Ausbau, ganz im Sinne des damaligen Bundeslandwirtschaftsministers Ignaz Kiechle. Zur Feier des Tages hatte Zeller ein Gedicht verfasst. Der Schlussvers: «Jetzt ist s geschafft, der Herrgott gebe seinen Segen, dass diese sichere Straße schützt viel Leben.»

Allerdings gossen des Herrgotts Stellvertreter auf Erden, die beiden Dekane Toni Zech (katholisch) und Jörg Dittmar, bei der Weihe eines Feldkreuzes am Rande der Asphaltpiste Wasser in den Wein der Fröhlichkeit. Es gelte, nicht nur zu rasen, sondern mal eine Kurve zu drehen und innezuhalten, rief Dittmar den Gästen zu.

Als ein Auto-Korso die jungfräuliche Fahrbahn unter die Räder nahm, winkten unterwegs Bauern von einer Brücke. Ihr Transparent quer über die Brücke trug die Aufschrift «Bauern lassen Milch regnen. 20 Cent ohne uns.»

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