Einmal Allgäu - Arabien auf nur zwei Rädern

Ruderatshofen/Kairo | sg | «Habt Ihr kein Auto?» Immer wieder wurden Hans und Sofie Piller mit dieser Frage konfrontiert. Denn wer setzt sich in Istanbul, Jordanien, Syrien und Ägypten schon freiwillig auf ein Rad, wenn er sich auf vier Rädern fortbewegen könnte? Das Ehepaar aus Ruderatshofen hat ein Auto. Und sie setzten sich freiwillig aufs Rad, um vom Ostallgäu bis nach Kairo zu gelangen. «Abenteuerlust» antworten die beiden spontan auf die Frage nach ihrem Beweggrund. Und natürlich haben sie über ihre Reise durch neun Länder und über 5000 Kilometern auf dem Sattel eine Menge zu erzählen. Zweieinhalb Monate waren die beiden 52-Jährigen unterwegs. Sie haben sich einen Traum verwirklicht, wie sie sagen.

Appetit geholt hatten sich Hans und Sofie Piller bereits vor drei Jahren, als sie ebenfalls mit dem Fahrrad das spanische Gibraltar angesteuert hatten. Jetzt sollte die Reise in arabische Länder gehen. «Wir wollten uns einmal ein Bild von diesen Staaten und den Menschen machen, über die so oft im Fernsehen berichtet wird.» Als selbstständiger Landwirt und Holzschnitzer gab sich Hans Piller selbst so lange Urlaub. Und seine Frau rechnet ihrem Chef bei der Bank, für die sie in Teilzeit arbeitet, «hoch an», dass er ihr so lange Zeit frei gegeben hat.

Navigationsgerät am Bord

In Ruderatshofen rüsteten sie im April ihre Mountainbikes für die Tour. Ihr Gepäck brachten sie unter in zwei vorderen und hinteren Radtaschen sowie einer Lenkertasche. Seesack mit Schlafsack, Isomatte, ein Navigationsgerät und ein gemeinsames Zelt zählten außerdem zur Ausrüstung.

Bei elf Grad Celsius ging die Reise los, in Österreich gerieten die Abenteuerradler ins Schneetreiben. Über Ungarn, Serbien und Bulgarien gelangten sie Pedalumdrehung um Pedalumdrehung weiter in die Türkei. Regnerisches Wetter bescherte ihnen dort eine schwere Erkältung. Nichtsdestotrotz ging es weiter. Ein erster Höhepunkt: Göreme mit seinen Tuffsteinlandschaften. Immer weiter ging die Fahrt nach Süden. Nun war die syrische Grenze nicht mehr weit. Aber die meisten Höhepunkte lagen noch vor ihnen.

Die fanden sie in Jordanien in Petra und auf dem Kings Highway. Dort konnten auch 45 Grad Hitze das Paar nicht aufhalten. Auf keinen Fall missen wollen sie auch die Eindrücke auf Sinai, den Sonnenuntergang auf dem Mosesberg oder die «Blaue Wüste».

Vor allem genossen sie die Vorzüge des individuellen Reisens: Sie hatten all die Sehenswürdigkeiten für sich, während viele andere in Bussen anreisten. Die schönste Erfahrung aber, so sagen sie rückblickend, sei die Gastfreundschaft gewesen, die sie in Serbien, in der Türkei, in Jordanien und Syrien genossen. Auch wenn Kinder ihnen in Jordanien Steine nachwarfen - die Erwachsenen machten diese unfreundliche Geste tausendmal wieder wett.

Gegenwind und große Hitze

«Natürlich hatten wir auch mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen», sagen die beiden Rückkehrer, die schon seit zwei Wochen wieder ihre Arbeit aufgenommen haben. Ein paar Reifenpannen, Gegenwind und Angriffe von streunenden Hunden machten ihnen zu schaffen. Wegen des starken Gegenwinds und der großen Hitze entschlossen sie sich auch, das letzte Stück von Sinai nach Kairo mit dem Bus zurückzulegen. Sie hatten 5070 Kilometer und 40000 Höhenmeter bewältigt. Zurück ging es von Kairo mit dem Flugzeug.

Viele Bilder entstanden auf dieser Reise. Das Ehepaar Piller will sie bei Diavorträgen auch öffentlich zeigen. Ein Termin steht jedoch noch nicht fest.

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