Kaufbeuren
Einige Unternehmer sehen wieder Land

Nach wie vor schlecht ist die derzeitige Auslastung in vielen Betrieben. Doch es gibt auch Ausnahmen. Die ersten Unternehmen fahren die Kurzarbeit intern zurück, das heißt, es werden wieder mehr Aufträge abgearbeitet. Dazu gehört Kunststofftechnik Bernt mit Stammsitz in Neugablonz. Im Februar und März wurde dort die Arbeitszeit reduziert. «Die Kurzarbeit wird jetzt nicht mehr genutzt», so Dr. Lars Wiegmann. Hintergrund sei eine «extrem gute» Auftragslage bei neuen Produkten für die Autoindustrie, vor allem Deko- und Funktionsinnenteile. Das Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern investiert derzeit 7,5 Millionen Euro in eine hochmoderne Galvanikanlage im Kaufbeurer Gewerbepark.

Die wirtschaftliche Lage bei Hirschvogel Umformtechnik in Denklingen und Hirschvogel Komponenten in Schongau hat sich nach schwierigen Monaten ebenfalls entspannt. Bei dem Hersteller von massiv umgeformten Bauteilen aus Stahl und Aluminium sind auch zahlreiche Ostallgäuer beschäftigt. Beide Häuser profitieren nach eigenen Angaben einerseits von einer gestiegenen Marktnachfrage aufgrund der Abwrackprämie, anderseits bewähre sich die breite Kunden- und Produktstruktur. «Wegen der gestiegenen Nachfrage seitens unserer Hauptkunden sowie der Urlaubszeit arbeiten schon im Juli nicht mehr alle Abteilungen kurz», sagt Josef X. Baumeister, Geschäftsführer der Hirschvogel-Holding. «Im August setzen wir die Kurzarbeit sogar ganz aus.»

Dass manche Unternehmer wieder etwas positiver in die Zukunft schauen, hatte wie berichtet auch die jüngste IHK-Konjunkturumfrage im Ostallgäu ergeben. Demnach haben sich die Erwartungen der hiesigen Betriebe zumindest seit der vergangenen Erhebung zu Jahresbeginn verbessert. So vergrößerte sich der Anteil der Unternehmer, die eine Verbesserung ihrer Geschäftslage erwarten, von 5 auf 18 Prozent. Aussagen, nach denen eine Verschlechterung erwartet wird, gingen von 48 auf 41 Prozent zurück. «Im Saldo überwiegen immer noch die negativen Stimmen», kommentierte Gerhard Schlichtherle, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Kaufbeuren und Ostallgäu, das Ergebnis, «aber die Richtung hat sich wieder umgekehrt.»

Manche Betriebe haben ihre Kurzarbeit intern beendet oder auf ein Mindestmaß zurückgefahren, doch so gut wie alle bleiben bei der Arbeitsagentur offiziell gemeldet, da nicht sicher ist, wie sich die Konjunktur entwickelt. Erkennbar sei lediglich, dass mittlerweile zu diesem Thema weniger Anfragen eingingen und sich die Zahl neuer Anzeigen reduziert habe, so eine Sprecherin der Arbeitsagentur Kempten, bei der auch die Kurzarbeitmeldungen für den Kaufbeurer Arbeitsmarkt eingehen. Ein Trend lasse sich daraus aber nicht ableiten. Auch Dietmar Jansen, Bevollmächtigter der Allgäuer IG Metall, möchte keineswegs von Entspannung reden: «Es ist in unseren Betrieben insgesamt eher noch schlimmer geworden.»

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