Memmingen
Einfach nicht daran glauben

Den Tag der Eröffnung wird Maria Demiri nicht vergessen: «Das war ein Erlebnis. Alles war vom Feinsten und der Laden war proppenvoll.» Der Glanz in den Augen der adrett gekleideten Verkäuferin lässt für einen kurzen Moment nachempfinden, welch einmalige Atmosphäre das Warenhaus Karstadt im Jahr 1976 verbreitet haben muss. «So etwas gab es in Memmingen einfach noch nicht. Diese Größe und diese Auswahl - es war überwältigend.»

30 Jahre später sieht die Welt anders aus. Längst hat sich die Konsumgesellschaft an das Überangebot an Waren gewöhnt, der einstige Glanz großer Kaufhäuser droht zu verblassen. Die Vorstellung, dass die Memminger Karstadt-Filiale im Zuge des Insolvenzverfahrens bei der Konzernmutter Arcandor geschlossen werden könnte, wollen die Verkäuferinnen erst gar nicht zulassen. «Was wär denn Memmingen, wenn Karstadt weg wäre?», fragt Demiri und bleibt die Antwort bedeutungsvoll schuldig. Was es für sie selbst bedeuten würde, sagt sie dafür umso deutlicher: «Es wäre furchtbar. Einfach unvorstellbar nach so langer Zeit.»

«Schöner Shoppen in der Stadt» verspricht eine Zeile auf den Namensschildchen der Verkäuferinnen. Beobachtet man Demiri und ihre Kolleginnen, scheint es gar nicht mal zu viel versprochen. Der Umgang mit den Kunden wirkt freundlich und zuvorkommend. Keine Hektik, kein Aufdrängen.

Fragen nach einer möglichen Schließung der Memminger Karstadt-Filiale begegnet das Personal mit Optimismus. «Sobald wieder mal etwas in der Zeitung stand, fragten die Leute nach. Ich sag dann immer: ,Karstadt bleibt», erzählt Simone Schweiger, Verkäuferin in der Buchabteilung, und unterstreicht: «Das ist auch meine Überzeugung.»

«Wir können nichts dafür»

Die 39-Jährige arbeitet seit gut 20 Jahren bei Karstadt. Sie empfindet es als «unfair», dass die Memminger Belegschaft in eine so schwierige Lage gebracht worden sei: «Wir Verkäuferinnen können nichts dafür, dass es dem Konzern jetzt schlecht geht. Wir geben unser Bestes. Aber leider können wir nicht beeinflussen, was die in den oberen Etagen alles beschließen», sagt Simone Schweiger und rollt ihre Augen genervt nach oben.

Wappnen für den Fall der Fälle

Bei der täglichen Arbeit baut Schweiger ganz auf die positive Kraft ihres Verdrängungsmechanismusses. Natürlich sitze einem die Angst vor dem Jobverlust im Nacken. «Aber wenn ich ständig an das drohende Aus denken würde, könnte ich nicht mehr gut gelaunt arbeiten.

» Für den Fall der Fälle will sie sich dennoch wappnen: «Ich mache mir schon meine Gedanken und schaue, wie es anders weiter gehen könnte.»

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