Isny
«Einen Zumthor gibt es auf der ganzen Welt nicht zu kaufen »

Karl Immler bezeichnet sich selbst als «spiritus rector» der Idee, in Isny ein Stadttor vom weltweit berühmten Architekten Peter Zumthor planen zu lassen. Der Immobilienunternehmer, der gemeinsam mit seinem Bruder Jakob in seiner Heimatstadt fest verwurzelt und immer wieder als Sponsor sozialer und städtebaulicher Projekte aufgetreten ist, hat den Stararchitekten in die kleine Allgäu-Stadt geholt. Heute wird der Schweizer Peter Zumthor seine Ideen den Isnyern präsentieren. Im Gespräch mit unserer Redakteurin Ingrid Grohe zeigte sich Karl Immler überzeugt, dass sich Sponsoren für das ehrgeizige Projekt finden werden.

Herr Immler, woher kennen Sie Peter Zumthor?

Karl Immler: Über meinen Cousin Rudolf Sagmeister, er ist Kurator des Kunsthauses Bregenz, das auch von Zumthor stammt. Den hab ich angesprochen, als das Thema Stadttor in Isny diskutiert wurde. Die Stadt wollte einen Architektenwettbewerb ausschreiben. Ich war der Überzeugung, dass bei 5000 Euro Preisgeld und zig Bewerbern die ganz großen Architekten nicht mal einen Stift in die Hand nehmen. Meine Meinung als Bürger - damals war ich nicht im Gemeinderat - war: Entweder wir machen es gescheit oder gar nicht. Deshalb hab ich mich um den Kontakt zu Zumthor bemüht.

War es leicht, ihn für Isny zu begeistern?

Immler: Zumthor macht nur, was ihn persönlich interessiert. Mit Gemeinderat und Stadtverwaltung sind wir zu ihm gefahren. Er hat uns bis in sein Wohnzimmer gelassen. Damit wir ihn als Mensch begreifen. Seine Zusage kam wenige Tage nach dem ersten Gespräch - kurz bevor die Ausschreibung für den Architektenwettbewerb verschickt worden wäre.

Welche Fähigkeit prädestiniert ihn für das Isnyer Tor?

Immler: Im Gegensatz zu anderen sogenannten Star-Architekten haben Zumthors Objekte dauerhafte Ausstrahlung. Was er macht, ist keine Effekthascherei. Die historisierende Variante, dass man das Alte wiederaufbaut, ist kein Thema. Das geht nicht, auch wenn sich sich das viele vielleicht wünschen. Auch das Denkmalamt erlaubt so etwas nicht.

Schon bevor überhaupt ein Entwurf vorlag, wurde in Isny Kritik laut.

Immler: Das stimmt so nicht. Es hat in Isny noch nie ein Projekt gegeben, das von allen so einmütig getragen wird. Alles andere wäre auch unsinnig. Wenn in der öffentlichen Diskussion nur eine knappe Mehrheit dafür wäre, sollte man die Idee verwerfen.

Von unbekannter Seite wurde vor ein paar Wochen eine Bausumme von 20 Millionen Euro kommuniziert, welche das Büro Zumthor gegenüber unserer Zeitung dementiert hat. Ohne dass bereits genaue Summen bekannt sind, dennoch die Frage: Wie stellen Sie sich die Finanzierung vor?

Immler: Dieses Objekt wird und kann niemals von der Stadt bezahlt werden. Schon in meiner Eigenschaft als CDU-Fraktionsvorsitzender würde ich nie zustimmen, es mit öffentlichen Geldern zu finanzieren. Entweder wir machen das privatwirtschaflich oder wir lassen es. Ich bin mir sicher, dass wir Sponsoren finden. Es haben bereits viele erklärt, sie würden sich mit Freude an solch einem Projekt beteiligen. Einen Zumthor gibt es schließlich auf der ganzen Welt nicht zu kaufen. Das wird sicher einige reizen - wenn die Vorarbeiten geleistet sind. Die muss natürlich die Stadt erbringen. Planung und Statik etwa, und das Grundstück zur Verfügung stellen.

Werden auch die Gebrüder Immler das Projekt finanziell unterstützen?

Immler: Wir sind die Ersten, die hier Unterstützung zugesagt haben, und dazu stehen wir. Aber so viel Möglichkeit haben wir auch nicht. Bei unseren anderen Projekten, etwa der Familienstiftung, darf da nichts wegbrechen.

Glauben Sie an die Realisierbarkeit des ehrgeizigen Projekts? Wird wirklich mal ein Zumthor-Tor in Isny stehen?

Immler: Das Wichtigste ist, dass die Isnyer das wollen. Und sie werden überzeugt sein, wenn sie Zumthor zuhören. Wenn viele Menschen zur Präsentation kommen und begeistert sind, ist das Geld nebensächlich. Ich habe mir keine Gedanken gemacht, dass das Projekt scheitern könnte.

Für die Öffentlichkeit stellt Peter Zumthor seinen Stadttor-Entwurf heute, Freitag, um 19.30 Uhr im Isnyer Kurhaus vor.

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