Wochenende
Eine Schule macht sich startklar für 450 Jugendliche

Kein einziger Papierschnipsel liegt auf dem Boden - die Tafel blitzblank, das Klassenzimmer aufgeräumt. Harald Fenzl ist Hausmeister in der Städtischen Realschule Kempten und wirft einen letzten, prüfenden Blick in den Raum, der am kommenden Dienstag wieder neuen und alten Schülern ein Ort des Lernens sein wird.

Gespenstisch leere Gänge

Jetzt in den Ferien ist die Schule allerdings noch leer und verlassen. Die Schüler genießen die letzten freien Tage ihrer Sommerferien. Am 13. September geht das neue Schuljahr wieder los. Bis dahin ist in dem Gebäude noch einiges zu tun. Für Hausmeister, Lehrer und Sekretärinnen hat die Arbeit diese Woche schon begonnen.

Christine Haugg und Maria Pucher sind Sekretärinnen in der Städtischen Realschule. Die beiden treffen die letzten organisatorischen Vorbereitungen für das neue Schuljahr. Ohne sie gäbe es zum Beispiel keine Busfahrkarten für die auswärtigen Schüler und auch die Einteilung der neuen Fünftklässler wäre noch nicht geschehen. Christina Haugg kann besorgte Eltern am Telefon besänftigen: 'Weil die Klassen stehen dann eh schon fest. Insofern kann man die Eltern beruhigen, weil es ja immer so gedacht ist, dass alle Kinder aus einem Ort in eine Klasse kommen. Das ist von uns so eingerichtet.'

Vorfreude auf die 'Kleinen'

Auch der Hausmeister Harald Fenzl freut sich auf die 'Kleinen', wie er sie nennt. 'Ich freue mich auf die neuen Schüler. Es sind ja doch schon teilweise die Kinder von ehemaligen Schülern, die hierher kommen und dann wird es meistens interessant. Das ist dann etwas ganz anderes als jetzt: Das Schulhaus blüht wieder auf, das Leben ist wieder hier drin.' Er genießt zwar die Ruhe, die hier vor Beginn des Schuljahrs herrscht, 'aber wenn dann die alten Schüler sagen 'Hallo, Grüß Gott, Herr Fenzl, wie waren die Ferien?', dann ist der Kontakt wieder da und es ist einfach wieder schön.'

Es spielen sich auch manchmal lustige Szenen am Ende der Sommerferien in der Schule ab. 'Früher hatten wir Schwäne im Haus. Die haben sich irgendwo hier verirrt und die sind dann immer ins Schulhaus rein. Durch den Pausenhof sind sie in die Aula hinten rein und haben immer das gegessen, was übrig geblieben ist. Ich muss sagen das war immer nett. So eine Familie mit so kleinen Pieperlen.' Zum Schuljahresanfang hat der Hausmeister die 'Eindringlinge' dann aber wieder ausgesiedelt.

Auch der Konrektor der Städtischen Realschule Anton Kirchmann hat vor dem Schuljahr viel Arbeit zu erledigen. Er muss die Stundenpläne für alle Klassen setzen und auch das Lehrerpersonal organisieren. Das kann schon mal stressig werden. 'Unangenehm sind dann Anrufe von Kollegen, dass sie sich in den Sommerferien verletzt haben. Das kommt vor. So einen Fall haben wir dieses Schuljahr wieder. Das heißt, dass man ganz kurzfristig vor der Aufgabe steht Ersatz zu finden.', erzählt der 58-jährige Konrektor.

Die Plätze für die fünften Klassen an der Städtischen Realschule sind sehr beliebt. 'Das Problem ist, dass wir nur zwei fünfte Klassen haben und diese auffüllen können. Bei uns gibt es 190 Bewerbungen auf Seiten der Eltern. Wir haben aber nur 66 Plätze zu vergeben. Deswegen wurde da ein Notar eingeschaltet, um die vorhandenen Plätze zu verlosen. Vorher war es eben so, dass das Windhund-Prinzip gegolten hat - das heißt, wer zuerst kommt, malt zuerst. Das haben wir jetzt durch diese Verlosung hoffentlich besser und im gütlichen Einvernehmen hingekriegt.'

Campen vor der Realschule

Das Windhund-Prinzip hat in der Praxis folgendermaßen ausgesehen: in der Vergangenheit haben Eltern vor der Realschule gecampt und übernachtet, um die begehrten Plätze für ihre Kleinen zu bekommen. Solche Szenen haben sich jedes Jahr vor der Städtischen Realschule in Kempten abgespielt.

Jahr für Jahr, beziehungsweise Schuljahr für Schuljahr, gelingt dem Team der Realschule die Organisation des anstehenden Schüleransturms hervorragend. 'Ich wüsste jetzt keine negativen Vorkommnisse, die sich am Anfang des Schuljahres abgespielt haben, wo ich mir gedacht hab 'Das müssen wir besser machen!'', sagt Anton Kirchmann.

Es ist 9.15 Uhr: Die Zeit, um die normalerweise der Gong zur Pause ertönt. Ab nächsten Dienstag werden die Schüler wieder die Klassenzimmertüren aufreißen und mit großem Getöse in die Pause rennen. Heute bleiben die Gänge aber leer.

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