Eine Polka als Geburtstagsständchen

Kempten | rot | Wie man so alt wird? 'Wenn’s nicht besser geht, die Dinge nehmen, wie sie sind', erklärt Lydia Landerer ihr hohes Alter und fügt hinzu: 'Ob die Zeit schnell oder langsam vergangen ist, weiß ich nicht. Ich habe einfach immer nur gelebt.' Am 31. Januar feierte die Seniorin ihren 100. Geburtstag.

1908 erblickte Lydia Landerer in Wartegau (jetzt Polen) das Licht der Welt. Mit acht Geschwistern wuchs sie in einer Bauernfamilie auf und wurde bereits als Kind von schweren Schicksalsschlägen getroffen. Als die kleine Lydia gerade zwei Jahre alt war, starb ihre Mutter und wenige Jahre später verschwand der Vater spurlos. Bis zu ihrem 14. Geburtstag lebte sie bei der Stiefmutter, verließ dann ihr Zuhause und lernte das Kochen. Mit 27 Jahren brachte sie ihren Sohn Lothar zur Welt. Im Jahr 1944 trat der Schreiner Franz Landerer aus Betzigau in ihr Leben. Er arbeitete in Berlin, heiratete die junge Köchin und siedelte nach Kriegsende mit ihr und ihrem Sohn in sein Heimatdorf um.

Doch in den Nachkriegsjahren waren gute Arbeitsplätze rar. Also wagte das Ehepaar einen Umzug in die Schweiz. Freilich vergaben eidgenössische Betriebe damals nur Zeitverträge an deutsche Arbeitnehmer. Deshalb zog Familie Landerer nach einigen Jahren zurück nach Betzigau. Lydia fand bald eine feste Anstellung als Küchenleiterin im Seniorenheim an der Vogtstraße in Kempten, 'wo sie mit viel Liebe für die Heimbewohner kochte', weiß Bürgermeister Dieter Zacherle, der sie zum Geburtstag besuchte.

Die Seniorin selbst mag nicht viel erzählen. Ihrem Lebenslauf ist jedoch zu entnehmen, dass sie sich auch nach dem Eintritt ins Rentenalter noch nicht aufs Austragsbänkle setzte. 'Und wenn sie nicht im Haus oder in ihrem geliebten Garten arbeitete, unternahm sie mit ihrem Ehemann Franz gerne Reisen, Wanderungen und Bergtouren.'

Nach dem Tod ihres Ehemanns 1994 'traf man sie täglich bei ihren stundenlangen Spaziergängen rund um Betzigau an', ist nachzulesen und auch, dass Lydia Landerer seit rund zwei Jahren im AWO-Seniorenheim an der Lenzfrieder Straße lebt. Dort feierte sie ihr 100. Wiegenfest mit Familie und Freunden.

Ja, und als plötzlich die Betzigauer Blaskapelle kam und böhmische Weisen aufspielte, da wurde die eher stille Jubilarin munter, lächelte und wippte im Polkatakt mit.

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