Buchloe
Eine nicht alltägliche Herausforderung

Nach zwölf Jahren war es in Buchloe wieder einmal Zeit für eine Aufführung der Schwäbischen Weihnacht. Verschiedene Formationen der Musikschule (Streicher, Gitarren, zwei Blockflötenensembles), der Chor der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und der Chor «Vocapella» hatten sich dieses etwa eine Stunde dauernden Werkes der in Mindelheim geborenen Brüder Arthur Maximilian (Text) und Robert Maximilian Miller (Musik) angenommen. Die Zuhörer in den gut gefüllten Bankreihen der Stadtpfarrkirche erlebten eine gelungene Präsentation unter der Gesamtleitung von «Vocapella»-Dirigentin Susanne Storz-Frischenschlager.

Da der Text dieses Volks-Oratoriums ganz im Oberallgäuer Dialekt verfasst ist, wird das Werk nur schwer überregionale Verbreitung finden. Obwohl längst nicht ausschließlich mit gebürtigen Schwaben besetzt, realisierten beide Chöre die Lieder authentisch.

Zwischen Volksmusik und großen Oratorien

Formal schlägt die «Schwäbische Weihnacht» jedoch eine sehr gute Brücke zwischen weihnachtlicher Volksmusik und großen Oratorien in der Art des Weihnachts-Oratoriums von Johann Sebastian Bach. Gerade die Chorsätze atmen viel vom Vorbild des Leipziger Thomaskantors.

Sie sind harmonisch zwar nicht immer so ausgeweitet, gehen aber weit über die drei Hauptakkorde hinaus. Wendungen in Moll und alten Kirchentonarten stellten für die begleitenden Streicher eine nicht alltägliche Herausforderung dar. Die textlichen Schwerpunkte in der Schwäbischen Weihnacht sind jedoch etwas anders gelagert als im Weihnachts-Oratorium.

Mal pietistisch, mal bodenständig fromm

Mag es bei Bach und seinem Textdichter Picander stellenweise etwas zu pietistisch zugehen, so spricht aus Millers Texten eher eine bodenständige Frömmigkeit mit Verständnis für die Niederungen des Alltags.

In «Joseph, fuatras Ösala guat» gibt der Chor den Rat, nicht nur das Tragetier, sondern auch Maria und sich selbst gut für die lange Reise nach Bethlehem vorzubereiten.

Was auf dieser Reise alles passiert, ist nun längst nicht immer historisch genau. Heidi Wörle, die ihren ausgiebigen Part als Erzählerin ganz natürlich und frei von jedem Märchentanten-Klischee gestaltete, berichtete über einige eigentümliche Details. Joseph ist sparsam nach bester schwäbischer Tradition und legt abends ab und zu einen Kreuzer auf die Seite. Oder es läutet während der Reise der Heiligen Familie aus der Ferne die Klosterglocke - wo doch der Religionsgründer erst noch geboren wird.

Gerade solche Kleinigkeiten machen das Werk sympathisch: Es wird nicht alles bierernst gesehen und doch bleibt der Zauber des weihnachtlichen Geschehens erhalten.

Auch wenn die letzten Proben recht anstrengend waren, gingen die mitwirkenden Instrumentalisten doch mit großer Spielfreude ans Werk. Vor allem die Blockflöten demontierten durch ihre homogene Spielweise das Vorurteil, ihre Instrumente würden «piepsig» klingen. Begeisterter Schlussapplaus.

Joachim Buch

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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