Memmingen
«Eine Namensänderung ist der falsche Weg»

«Mit der Hauptschulreform soll das Ansehen der Hauptschulen verbessert werden.» Das betonte Staatssekretär Dr. Marcel Huber vom bayerischen Kultusministerium bei einem Informationsabend der Memminger CSU zum Thema Hauptschule. Hiesige Rektoren und Lehrer stehen den geplanten Neuerungen allerdings kritisch gegenüber.

Karl Lang, Leiter der Erkheimer Volksschule, bemängelte beispielsweise, dass Schüler der achten Klasse noch nicht in der Lage seien, sich für eines der berufsorientierenden Fächer Technik, Wirtschaft oder Soziales zu entscheiden. Vielmehr sollten die Schüler verpflichtet werden, alle drei Bereiche zu besuchen.

Laut Huber sieht die Hauptschulreform neben den allgemeinbildenden Fächern eine individuelle Förderung der Schüler vor. Dies bedeutet, dass sich die Schüler zu Beginn der achten Klasse für einen Zweig entscheiden müssen. «Wenn sich Jugendliche für etwas interessieren, bringen sie dort die besten Leistungen», so der Staatssekretär. Diese «Modularisierung» sei keine Stärkung der Schüler, sondern ein Wegnehmen von Chancen, sagte Lang.

Beim Thema Weiterentwicklung der Hauptschule zur so genannten Mittelschule betonte Buxheims Bürgermeister Werner Birkle (CSU): «Eine Namensänderung ist der falsche Weg. Man sollte mehr auf die Kinder eingehen.» Dem stimmte Huber zu. «Ein Namenswechsel allein hilft nichts. Aber hinter dem Namen verbirgt sich ein attraktives Paket verschiedener Angebote, das den Schülern neue Bildungschancen ermöglicht.» So müssten künftige Mittelschulen folgende Bildungsangebote aufweisen: eine stärkere berufspraktische Orientierung, ein Ganztagesangebot sowie Kooperationen mit einer Berufsschule, der regionalen Wirtschaft und der Arbeitsagentur.

Weiter müssten ein mittlerer Bildungsabschluss auf dem Niveau von Wirtschafts- und Realschule möglich sein sowie eine individuelle Förderung und Jugendsozialarbeit angeboten werden. Die Neuerungen sollen ab dem Schuljahr 2010/2011 gelten.

Weiter betonte Huber: «Wir hoffen, dass die Hauptschule durch eine Namensänderung nicht mehr als Restschule von der Bevölkerung wahrgenommen wird.» Durch Verbünde von Mittelschulen sollen die kleinen Hauptschulen auf dem Land erhalten bleiben, erklärte der Staatssekretär. «Kooperationen von kleinen, eigenständigen und eigenverantwortlichen Schulen sollen den Schülern das differenzierte Bildungsangebot der Mittelschule bieten», sagt Huber.

Hier kritisierte Stefan Kohl von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft: «Diese Kooperationen bringen das Problem mit sich, dass es dann zu große Klassen gibt.» Und Heinz Buchmann (CSU), Markt Rettenbachs Zweiter Bürgermeister, ergänzte: « Mit den Schulverbünden stärken sie nicht den ländlichen Raum, sondern schaffen nur Problemschulen.»

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen