Dietmannsried / Wiggensbach
Eine Krippe als Dokument der Freundschaft mit Südfrankreich

Die Darstellung der Geburt Jesu mit Maria und Josef steht in diesen Tagen, meist bis Lichtmess Anfang Februar, in den Kirchen im Mittelpunkt. In einer zweiteiligen Serie stellen wir einige Krippen vor. Heute geht es um Dietmannsried und Wiggensbach.

In jedem zweiten Jahr steht in der Pfarrkirche St. Blasius in Dietmannsried eine besonders farbenprächtige Krippe mit Figuren in bunten Trachten, die auf gar keinen Fall Allgäuer Tradition entstammen können. Die Männer tragen Zipfelmütze oder Hüte mit breiten Krempen, die Frauen weiße Spitzenhauben und lange Kleider in kräftigen Farben. Die Krippe ist ein Dokument einer mehr als 20-jährigen Freundschaft zwischen Dietmannsried und Carry-le-Rouet, eine 6200 Einwohner zählende Gemeinde in Südfrankreich, nahe von Marseille. Nach der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden 1988 hat der Partnerschaftsverein Dietmannsried den französischen Freunden eine Allgäuer Krippe geschenkt. Carry bedankte sich dafür mit Krippenfiguren, deren Anfertigung in Südfrankreich, insbesondere auch in Marseille, eine alte Tradition hat.

Jahr für Jahr wächst die «crèche» (Krippe) durch neue geschenkte Figuren.

Ganz begeistert sind Otto und Heidi Schmid, der Präsident des Partnerschaftsvereins und seine Frau, vom Einfallsreichtum der französischen Krippenbauer, weder Wasserträger noch Korbflechter fehlen unter den 20 bis 30 Zentimeter großen Figuren. Ein Kamel, das in französischen Krippen keine Tradition hat, wurde sogar extra in Auftrag gegeben. Auch privat sammeln Schmids so genannte Santons aus Ton, handbemalte Krippenfiguren, die zwischen drei Zentimetern und einem halben Meter groß sein können. In der katholischen Kirche in Carry-le-Rouet steht derweil eine Allgäuer Krippe, eine Variante, die in Dietmannsried im Wechsel mit der französischen zum Zug gibt.

Neue Krippe in Wiggensbach

Eine fast neue orientalische Krippe können die Gläubigen in der Wiggensbacher Pfarrkirche bewundern, geschaffen von Krippenbaumeister Josef Martin, dem Pfarrer Gebhard Gomm großes handwerkliches Können und künstlerisches Einfühlungsvermögen bescheinigt. Geprägt ist sie von den frühen Bibelreisen um 1900 mit Figuren mit langen Tunikagewändern, die an die Beduinenzeit erinnern. In diesem Jahr wurde die Gestaltung um eine Höhlenkrippe von Josef Martin erweitert. Wie ein Stall symbolisiert die Höhle, dass Jesus in einer unscheinbaren Behausung auf die Welt kam.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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