Oberstdorf
Eine Erlösungstat beflügelt

Während viele Meisterwerke Georg Friedrich Händels für Generationen im Dunkel der Archive schlummerten und erst seit einigen Jahren hin und wieder einmal im Rampenlicht der Opernbühnen und Konzertpodien zu bestaunen sind, hat das Oratorium «Messias» seit seiner Uraufführung 1742 über Jahrhunderte hinweg das Interesse der Interpreten geweckt und so den Ruhm des Barockmeisters begründet. Weshalb, das machte jetzt eine Aufführung zum 250. Todestag des Komponisten in der Oberstdorfer Christuskirche deutlich.

Dort entfalteten der hochengagierte Chor und das Orchester des evangelischen Gotteshauses unter der ambitionierten Leitung von Dekanatskantor Johannes Böckler den Reichtum von Händels mitreißender Musik: ihre illustrative Kraft, ihre melodische Schönheit, ihre gedankliche Tiefe. Letztere deutete Oberkirchenrat i. R. Dr. Theodor Glaser aus München in seiner sehr persönlichen meditativen Begleitung an, die den Kern von Händels Werk herausarbeitete: Eine leicht fassbare und doch facettenreiche Darstellung von Geburt, Leidensweg und Auferstehung des Gottessohnes, beständig gespiegelt in der Bedeutung, die die Erlösungstat des Jesus von Nazareth für den gläubigen Christen besitzt.

Halleluja mit großer Wirkung

Mit welchem Feuer, welcher Leidenschaft und welcher Fantasie Händel dabei dem eigentlich undramatischen theologischen Stoff pralles Leben verleiht, das arbeitete Johannes Böckler mit seinen beiden Ensembles plastisch heraus. Vor allem der vielgeforderte Chor, der zum Großteil aus Laien besteht, ließ sich von Händels Musik zu einer Glanzleistung beflügeln. Berühmte Sätze wie der Jubel «Denn es ist uns ein Kind geboren» oder das majestätische «Halleluja» entfalteten große Wirkung.

Böckler, der ganz im Dienste der Musik agiert, geht koloraturenreiche Stellen dabei manchmal bedächtig an, führt seine Sänger so aber stets geschickt über technische Hürden.

Das Solisten-Quartett wirkt nicht ganz homogen: Den schlanken und flexiblen Stimmen von Martina Koppelstetter (Alt), Stefan Heidweiler (Tenor) und Thomas Gropper (Bass) steht die etwas reifere von Ursula Wiedmann (Sopran) gegenüber. Allen Solosängern gemeinsam ist jedoch eine intensive Ausdeutung des Textes, die im munter artikulierten Orchesterspiel ihre Entsprechung findet.

Am Ende begeisterter Applaus für die konzentrierte Leistung aller Beteiligten, vor allem des Chores, in dieser über drei Stunden dauernden Aufführung ohne Pause.

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