Oberstdorf
Eine erlebnisreiche Nacht

Ein Abend, der mit jedem Konzertstück eine genussvolle Steigerung brachte: Das 2007 mit dem 1. Preis des ARD-Musikwettbewerbs ausgezeichnete Tecchler-Trio unterstrich bei seinem Auftritt im Rahmen des Oberstdorfer Musiksommers seine Klasse.

Dabei geriet der Auftakt in der evangelischen Christuskirche in Oberstdorf mit Haydns Klaviertrio Nr. 41 es-Moll etwas nervös. Zu dominant der Flügel, zu distanziert agierten Geige und Cello im ruhigen Kopfsatz. Erst im zweiten Satz, dem lebhafteren, virtuosen Allegro, schienen sich die drei jungen Musiker wohlzufühlen und fanden hier hörbar sukzessive zueinander. Aber vielleicht lag es ja auch an dem eigentümlich, spröden Charakter des zweisätzigen und im Grunde belanglosen Spätwerks von Haydn.

Aufhorchen ließ das Tecchler Trio aber dann mit Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio Nr. 1 d-Moll. Eng umschlungen gestalteten Maximilian Hornung (Violoncello) und Esther Hoppe (Violine) den ersten Satz. Dabei erwies sich Benjamin Engeli als hellwacher Pianist und Partner.

Sehnsuchtsvolle Themen

Mit viel Vibrato widmeten sich die beiden Streicher in der Folge den sehnsuchtsvollen Themen. Für Zusammenhalt und räumliche Tiefe sorgte Engeli mit energischem, klarem Spiel an den Tasten. Mitreißend geriet das Finale mit herrlich perlenden pianistischen Läufen und beherzt-dynamischen Streicherklängen. «Vergesst Haydn», kam einem angesichts dieser fulminanten Mendelssohn-Interpretation in den Sinn. Doch nach der Pause sollte noch Schönberg kommen.

Seine Komposition «Verklärte Nacht» war ursprünglich 1899 für Streichsextett komponiert worden. 1917 legte Schönberg eine Orchesterfassung vor und autorisierte später eine Klavier-Trio-Fassung seines Schülers Eduard Steuermann. Ein flirrendes Werk, das einerseits in der spätromantischen Tradition wurzelt, und andererseits ganz bewusst neue Töne anschlägt.

Atemberaubend wie das Tecchler Trio diesem komplexen bilderreichen fünfsätzigen Stück Leben einhauchte. Mit sinnlichem und dynamisch-souveränem Spiel brachten die drei Musiker diese Nacht zum Funkeln. Lautstarken Applaus gab es für dieses Erlebnis - und als Dank dafür noch eine samtige Romanze von Rachmaninow obendrein.

Nächste Musiksommer-Konzerte: «Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze» von Joseph Haydn (Gedanken von Walter Jens) am Freitag, 14. August (20 Uhr) in Oberstdorf (Pfarrkirche St. Baptist) und am Samstag, 15. August (20 Uhr) in Isny (Schloss/Refektorium). Karten unter Telefon 08322/700-290.

www.oberstdorfer-musiksommer.de

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