Allgäuer Festwoche
Special Allgäuer Festwoche SPECIAL

Reportage
Eine echte Marke: Taxifahrer Manne über den Stress bei der Festwoche

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Bisher hat mir erst zweimal einer ins Auto gekotzt. Taxifahrer Manfred Farris kann teilweise schon Geschichten erzählen, die einen davon abhalten könnten, selbst Taxifahrer sein zu wollen. Von seinen Stammkunden Manne genannt, gehört er in Kempten wohl zu den bekanntesten Taxifahrern. Mittlerweile fährt er seine dritte Festwoche.

Es gibt in Kempten wohl kaum eine andere Zeit im Jahr, in der Taxen so gefragt sind, wie während der Allgäuer Festwoche. Tausende Besucher nehmen die Möglichkeit wahr, bedenkenlos zu feiern, Alkohol zu trinken und dennoch sicher nach Hause zu kommen. Für Taxifahrer bedeutet diese Zeit allerdings puren Stress.

Der 31-jährige Manne hat seinen Beruf als Taxifahrer vor genau zwei Jahren begonnen, mitten in der Festwoche. Einen Tag nach seiner Prüfung startete er seine erste Fahrt und seitdem bringt er diejenigen, die nicht selbst Auto fahren können oder wollen, an ihr Ziel. Da ihm das Autofahren und der Kontakt zu Menschen schon immer Spaß gemacht haben, lag die Entscheidung, täglich viele Stunden in einem Taxi zu verbringen, nicht fern.

Manne fährt meistens nachts durch Kempten und befördert seine Fahrgäste immer mit guter Laune und guter Musik. Auf seinem Smartphone, das an das Autoradio angeschlossen ist, hat er Tausende Musiktitel. Der Geschmack seiner Stammgäste ist ihm mittlerweile bekannt, so dass manche von ihnen bereits eigene Playlists haben. Zu seinem Markenzeichen ist eine Packung mit Center-Shocks geworden, süß-saure Kaugummis, die auf dem Armaturenbrett stehen und die er wöchentlich rund dreimal auffüllen muss, so begehrt sind sie.

So fröhlich und locker, wie man sich den Beruf eines Taxifahrers vorstellt, ist es aber nicht - schon gar nicht während der Festwoche. Dann transportiert Manne häufig alkoholisiertes Partyvolk, das sich und den eigenen Mageninhalt nicht immer richtig einzuschätzen weiß. Bisher ist es zweimal passiert, dass sich jemand in das Taxi des 31-Jährigen übergeben hat.

Die Kosten für Reinigung und Verdienstausfall übernimmt der Verursacher selbst, da nimmt auch keine Versicherung Rücksicht. Die Kosten belaufen sich auf 100 bis 800 Euro, je nach "Volumen" und Stelle (Polster sind teurer als Fußmatten). Dazu kommt eventueller Verdienstausfall, wenn die Reinigung über das Wochenende dauert. Dann kann das ganze für den Verursacher "schon mal in die Tausende gehen."

In den meisten Fällen hat Manne aber keine Probleme mit seinen Fahrgästen. Lediglich durch den großen Andrang kann es vorkommen, dass sie sich auf längere Wartezeiten einstellen müssen. Bei 500-600 Kilometer pro Nacht, die Manne teilweise zurücklegt, ist der Stress hoch. Aber Manne beneidet die Feiernden nicht. Wenn er nach seiner Schicht nach Hause kommt, freut er sich auf die Ruhe, die er zusammen mit einer Zigarre und einem Glas Whiskey genießt.

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