Kaufbeuren
Eine bewegte Geschichte

Auch Kaufbeuren hat eine lange Mühlentradition. Um die zehn Mühlen - zumeist für Getreide - drängten sich am Mühlbach, nutzten die Jordan-Quellen oder den Stadtbach. Viel blieb davon nicht übrig, aber noch heute betreibt die Firma Espermüller, auf deren Sitz sich die einst größte Mühle in Kaufbeuren befand, ein Holzgeschäft und nutzt dabei die Energie der 1912 in die ehemalige Mühle eingebauten Turbinen.

«Folge war, dass bereits 1912 elektrisches Licht auf der Espermühle zur Verfügung stand, während der Strom im übrigen Kaufbeuren erst 1918 eingeführt wurde», heißt es in der Firmen-Chronik. Bereits seit 1439 sei die Mühle in Familienbesitz: Eine Mahl- und Sägemühle mit Einrichtungen zum Schleifen, Stampfen oder Walken. Aber die Mühle bestand schon wesentlich länger, denn sie wurde erstmals 1311 urkundlich genannt. Klar ist, dass sie ein Königsgut im Norden der Stadt auf dem sogenannten Espan war: «Das bezeichnet einen mit Gras bewachsenen, der Viehweide dienenden Platz, der Gemeindeland ist», erklärt Georg Abröll von der Bezirksheimatpflege.

Anfang des 19. Jahrhunderts bauten die Besitzer Walzenstühle statt des historischen Steinmahlgangs ein (siehe Infokasten). «Wer die Metallwalzen hatte, durfte sich Kunstmüller nennen», so Franz Rotter, Betreiber des Pforzener Mühlenmuseums. Nach verschiedenen Umbauten steht heute noch die Mühle von 1953, wobei ein Teil entfernt wurde. 1970 wurde der Betrieb eingestellt.

Weniger lang hielten sich andere Mühlen im Stadtbereich. Zur Martinskirche etwa gehörte die Mühle am Rennwegertor. 1350 wechselte sie von Kaiser Karl IV. in den Besitz des Augsburger Domkapitels, das sie 1428 an die Martinskirche verkaufte. «Die Mühle dürfte in der heutigen Johannes-Haag-Straße gestanden haben», glaubt Abröll. Doch nicht viel später ließ man sie eingehen und der aus den Jordan-Quellen gespeiste Weiher wurde abgegraben und ausgetrocknet.

Länger hielten sich die Obere und die Untere Mühle. Erstere war eine Getreidemühle unterhalb der Blasiuskirche. Sie gilt als die älteste Mühle in Kaufbeuren. Gespeist wurde sie von einem Kanal des Stadtbachs - einem «künstlichen Rinnsal», schreibt Abröll. Zu den Besitzern gehörte ab 1877 auch ein Espermüller. 1879 brannte die Mühle ab und 1943 löste die Stadt das Wasserkraftrecht am Stadtbach auf - zehn Jahre später wurde sie stillgelegt.

Dagegen wird die Untere Mühle im Rosental, dessen oberschlächtiges Rad ebenfalls der Stadtbach antrieb, 1339 als Überschlagmühle erwähnt. Rund 230 Jahre später besaß auch sie ein Espermüller und ab 1604 hieß sie Saumühle. Benannt nach dem Platz davor, auf dem der Schweinemarkt stattfand.

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