Buchloe
«Eine Aufgabe, der man nicht widerstehen kann»

«Machen Sie nichts Großes daraus. Schreiben Sie nicht zu viel. Ich war nur ein Teil von vielen.» Magdalena Schmid nimmt sich gerne zurück. Doch aus ihren Augen sprüht viel Energie. Die Energie, die man braucht, um Neues zu wagen. In zwei Wochen schon verlässt die Rektorin der Buchloer Realschule die Gennachstadt, bricht auf zu den neuen Ufern der Newa. Am 1. September soll die 58-Jährige die Leitung der ersten deutsch-russischen Begegnungsschule in St. Petersburg übernehmen.

Die Entscheidung fiel schnell

«Immer mal wieder» hat sie in der Vergangenheit beim Bundesverwaltungssamt in Köln ihr Interesse an einem Auslandseinsatz als Lehrerin bekundet - bis zur Altershöchstgrenze von 45 Jahren. Doch als vor ein paar Wochen der Anruf aus Köln kam, ging alles sehr schnell: «Einen Tag nach einem Informationsgespräch stand für mich fest: Ich mache es», erzählt die 58-jährige Schulleiterin. Ihrem Kollegium teile sie ihre Entscheidung tags darauf mit. «Sie waren überrascht, hatten aber auch Verständnis, dass man dieser Aufgabe nicht widerstehen kann», sagt Schmid.

Überhaupt. «Es ist diese Aufgabe, die mich so sehr interessiert, nun etwas gänzlich Neues zu wagen». Und der Auftrag ist kein Leichter: Bereits am 1. September soll Schmid die erste deutsch-russische Begegnungsschule in St. Petersburg eröffnen. Die Millionenstadt hat sie noch nie gesehen. Sie kann (noch) kein Russisch und kyrillische Buchstaben sind ihr fremd. Aber: Schmid ist flexibel, aufgeschlossen und hat vor allem langjährige Erfahrung mit der Umsetzung neuer pädagogischer Konzepte.

Vom Kindergarten bis zum Abitur

Die Pläne für St. Petersburg sehen vor, dort eines Tages Kinder vom Kindergartenalter bis zum Abitur zu führen. Der Unterricht wird überwiegend in deutscher Sprache gehalten, die Abschlüsse sollen sowohl in Deutschland als auch in Russland anerkannt sein.

«Ich spüre schon jetzt: Diese Schule ist gewollt und ich erfahre viel Unterstützung», berichtet Schmid. Soll die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder weiter ausgebaut werden, seien auch Schulen von großer Bedeutung.

In St. Petersburg gehört Magdalena Schmid direkt zu den Mitarbeitern des deutschen Generalkonsulats, das die Privatschule trägt. Zunächst für drei Jahre (mit der Option zu verlängern) wird sie nun in St. Petersburg bleiben. «Ich hoffe sehr, dass das Projekt gelingt», sagt sie und schiebt hinterher, «andernfalls muss man korrigieren».

Fast neun Jahre lang leitete Magdalena Schmid die Buchloer Realschule. «Das war eine ganz besondere Phase in meinem Leben. Ich wurde immer von den Menschen hier getragen und spürte stets viel Vertrauen und Unterstützung», betont sie. Und ein wenig wehmütig fügt sie hinzu: «Ich hatte wirklich Glück, dass es Buchloe war.»

Stelle wird neu ausgeschrieben

Ihre Stelle wird nun zum Halbjahr 2010 neu ausgeschrieben. Bis dahin leiten ihre bisherigen Stellvertreter Susanne Zinth und Friedrich Braß die Realschule. «Wir waren immer ein Dreier-Team mit vielen Mitarbeitern. Jetzt fehlt halt eine Person», meint Schmid, doch das könne immer passieren. «Ich habe mich immer nur als Rädchen gesehen.»

Am heutigen Donnerstagvormittag wird Magdalena Schmid offiziell mit einem «zwanglosen Stehempfang» des Landkreises und der Realschule verabschiedet.

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