Eindrücke sammeln im Regensburger Untergrund

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Von Ralf Lienert
| Kempten/Regensburg Zuschütten oder viel Geld in die Hand nehmen, um einen unterirdischen Schauraum zu schaffen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Stadt wie mehrfach berichtet, seit Archäologen auf dem St. Mang-Platz die Überreste der Doppelkapelle ausgruben. Ein Beispiel dafür, wie so ein unterirdischer Schauraum aussehen kann, gibt es in Regensburg, das denn auch am Freitag das Ziel einer Informationsfahrt war. «Wir wollen den St. Mang-Platz sauber herrichten und die Geschichte der Stadt Kempten spannend erklären», gab Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer die Zielrichtung an. Im unterirdischen «Document Neupfarrplatz» gab Regensburgs OB Hans Schaidinger dann gerne Hilfestellung: «Es wird teuer, ist aber einen einmalige Chance. So eine Situation lässt sich im Museum nicht darstellen.»

Vor zwölf Jahren waren bei Ausgrabungen nahe dem Regensburger Dom römische Spuren und die Keller des zerstörten jüdischen Viertels an Tageslicht gekommen. Die Stadt richtete unter dem Titel «Document Neupfarrplatz» einen Schauraum ein, den jetzt der Kemptener Stadtrat sowie Mitglieder der Verwaltung, der Kirchengemeinde, der Altstadtfreunde und der Freunde Kemptener Museen eingehend unter die Lupe nahmen.

«Wir haben hier 2000 Jahre Stadtgeschichte auf einem Fleck - römische Fundamente, jüdische Keller, Fundamente einer Kirche und einen Ringbunker aus der NS-Zeit», erläuterte OB Schaidinger. Exemplarisch wurden drei Keller mit hohem restauratorischem Aufwand zugänglich gemacht und die notwendige Technik im Bunker eingebaut.

Die Unterhaltskosten seien vergleichsweise günstig, betonte Gebäudemanager Peter Preß vom Hochbauamt Regensburg: pro Jahr fielen 3000 Euro für Strom, 3500 Euro für die Reinigung und 1000 Euro an Unterhaltskosten an.

Die Regensburger Keller ermöglichten den Archäologen eine Rekonstruktion des Viertels. Daraus entstand eine Computeranimation, die jährlich 10000 Besucher fesselt. Tief unter der Erde tauchen Schulklassen und Besuchergruppe ein in die Welt des mittelalterlichen Judenviertels.

Im Januar geht es weiter

Die Planungen für den St. Mang-Platz - dort geht es bekanntlich um die Erasmus- und die Michaelskapelle - vergab die Stadt Kempten jetzt an dasselbe Büro, das sich mit dem Regensburger Neupfarrplatz beschäftigte. Es soll jetzt einen Entwurf erstellen und die Kosten so bald wie möglich auf den Tisch legen. «Im Januar können wir die Diskussion führen, ob und wie wir Geschichte lebendig machen können und ob die Kosten im Verhältnis dazu vertretbar sind», so Netzer.

Schaidinger riet der Kemptener Delegation zum Abschied: «Wir wollten was Gescheites aus unseren Funden machen und ich würde die Entscheidung für den Bau wieder treffen.»

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