Eggenthal / Füssen
Eindringlingen geht es an den Kragen

Vor Jahren legten Anwohner in einer stillgelegten Kiesgrube bei Eggenthal ein Biotop an, um heimische Flora und Fauna zu etablieren. Stattdessen sorgten Springkraut und Herkules-staude für indisches und kaukasisches Flair. Doch die Pflanzen gehören zu den «invasiven Neophyten»: nichteinheimische Gewächse, die aggressiv heimische verdrängen.

«Bis zu vier Meter waren die Stämme des Riesen-Bärenklaus hoch. Das war ein Urwald», erzählt Dr. Christoph Greifenhagen. Der Heimatforscher und Naturschützer aus Kemnat ist seit zwei Jahren dabei, die Ausbreitung von Neophyten einzudämmen. Mit Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Ostallgäu macht er Aktionen mit Gartenbauvereinen, Landjugend oder Schulen, um die grünen Invasoren zu bekämpfen. Springkraut oder Bärenklau vermehrten sich in den vergangenen Jahren sprunghaft und bilden «zum Teil flächendeckende Bestände, die andere Pflanzenarten verdrängen und mitunter wachsen sie zu wahren Monokulturen», so das Landratsamt.

Derartige Auswüchse versucht Greifenhagen mit Aktionen wie in Eggenthal zu bekämpfen. Hunderte von Bärenklau-Pflanzen drohten das Biotop zu zerstören. Nun rückten der Naturschützer sowie die Eggenthaler Viktor Dempfle, Karl Rohrmeier und Alt-Bürgermeister Hugo Greisel den Kaukasiern mit Schutzkleidung, Sägen und Sensen auf die Pelle. Der Bärenklau (oder Herkulesstaude) zeichnet sich obendrein durch eine ätzende Flüssigkeit aus. «Bei UV-Strahlung ist die Pflanze gesundheitsgefährlich», berichtet Greifenhagen. Um einen weiteren Wildwuchs zu verhindern, mussten die Stauden noch vor der Ausfruchtung vernichtet werden. Schon vor zwei Jahren gingen Greifenhagen und Co. in dem Biotop gegen das indische Springkraut vor. Und die kanadische Goldrute hat Greifenhagen dort auch schon entdeckt.

Heuer wurde in Buchloe bereits ein Hilferuf gesendet, da auch dort Neophyten sich immer mehr verbreiten. Auch in anderen Kommunen wünscht man sich Hilfe. «Das nasse, feuchte Wetter begünstigt das Wachstum der Neophyten und schob deren Population stark an», weiß Gerhard Limmer, Abteilungsleiter im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Vor allem in Flusstälern, Auenwäldern oder an Waldrändern machen sich die Neophyten breit. Limmer macht schon seit Jahren auf die Situation aufmerksam. «Aber wir haben den Wettlauf verloren. Die Pflanzen werden wir nicht mehr vernichten können», glaubt er.

In dem Amt habe man jedenfalls nicht die «Manpower», um den kaukasischen oder indischen Eindringlingen die Stirn bieten zu können. «Das ist Sache der Naturschützer. Aber auch die Bevölkerung muss mitmachen», meint Limmer. Einerseits, indem sie ihre Gartenabfälle nicht in die Natur entsorgen; doch spätestens, wenn die Exoten ausblühen und sich in einen unansehnlichen Matsch verwandeln, wollen ihn die Leute loswerden. Andererseits, indem sie sich an Aktionen wie der von Greifenhagen beteiligen. Der will spätestens in zwei Jahren in Eggenthal wieder loslegen. Bis dahin hofft er, dass auch das Umweltministerium des Freistaates sich an den Aktionen beteiligt.

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