Ein Verband macht Politik

Von Andrea Schauerte | Füssen Hohe Wellen schlug in der Füssener Geschäftswelt und Politlandschaft die Einladung des 'Bundes der Selbständigen' (BdS) zu einer Informationsveranstaltung gestern Abend mit Andreas Ullrich, dem Bürgermeisterkandidaten der Freien Wähler. Denn signiert - allerdings nicht handschriftlich - ist dieses Schreiben auf BdS-Briefpapier mit 'Andreas Ullrich, 1. Vorsitzender des BdS Ortsverbandes Füssen - Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler Füssen'. Diese Instrumentalisierung eines Verbandes für den Wahlkampf stößt den anderen Kandidaten sauer auf. Ullrich selbst distanziert sich, da er dieses Schreiben weder verfasst noch verschickt habe. 'So etwas darf eigentlich nicht passieren', bedauert er.

'Typisch Freie Wähler', meinte Paul Iacob (SPD). 'Das passt genau in die Art von Wahlkampf, den die machen', war die erste Reaktion von Christian Gangl (CSU). Denn zur BdS-Einladung kam noch ein Aufruf der Werbegemeinschaft um ihren Vorsitzenden Klaus Keller. Der FW-Stadtrat forderte die Mitglieder darin auf, die Veranstaltung zu besuchen. Wie aus eingeweihten Kreisen verlautete, war diese 'einseitige Parteinahme' für ein Mitglied Grund, sofort auszutreten.

Andreas Ullrich betont, er habe sich mit Beginn seiner Kandidatur aus allem, was den BdS angeht, herausgehalten. Was jetzt in seinem Namen, aber ohne sein Wissen vom Vorstand gemacht wurde, hält er für äußerst ungeschickt. 'Es passt nicht zum BdS, parteilich zu sein.' Zumal in der Satzung die Neutralität festgeschrieben ist.

Der Vorfall passt dafür in den Augen von Paul Iacob genau auf die Freien Wähler: 'Die FW haben es immer verstanden, alles zu verquicken, das ist die typische Taktik'. Wenn Ullrich von dieser Instrumentalisierung wirklich nichts gewusst habe, sehe er aber auch, wes Geistes Kind der BdS sei: 'Der sollte über aller Parteipolitik stehen.' Und wenn schon eine Veranstaltung speziell für die Wirtschaft gemacht wird, sollte man alle vier Kandidaten einladen, nicht nur den, der einem am nächsten steht, meinte Iacob gegenüber unserer Zeitung.

Für Christian Gangl passt der Vorfall ins Bild des bisherigen Wahlkampfs der Freien Wähler Füssen: 'geprägt von Effekthascherei, mit verdrehten Tatsachen, mit wenig Substanz - da ist jedes Mittel recht'. Dass Ullrich das Einladungsschreiben nicht gekannt haben will, kann Gangl kaum glauben. 'Wenn er es wirklich nicht gewusst hat, muss er vor allem anderen diese Dinge zur Chefsache machen'.

Andreas Rösel, der für die FDP ins Rennen ums Rathaus geht, legt den Fokus nicht nur auf Freie Wähler und BdS. Ihn erreichte ein Schreiben der Reservistenkameradschaft Königswinkel, in dem diese Wahlhilfe für Christian Gangl leisten. 'Sicher ist das eine andere Ebene, aber Verbände und Vereine sollten sich grundsätzlich nicht vor politische Karren spannen lassen'.

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