Ein Teenager im Termin-Stress

Fußballerin Felicia Notbom aus Kaufbeuren ist auf dem Sprung ins A-Team. Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Heinz Wick Kaufbeuren/München Sie ist Fußballerin mit Leib und Seele, von der Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden bekommt sie dennoch nicht allzu viel mit. Felicia Notbom ist anstatt vor dem heimischen Fernsehgerät oder gar in den EM-Stadien vor Ort eher auf der Schiene anzutreffen. Oder in der Luft. Denn die 19-jährige Abwehrspielerin ist ein Teenager im Termin-Stress.

Kein Gedanke an Olympia

Am vergangenen Wochenende schaffte die gebürtige Kaufbeurerin, die in Irsee lebt, mit dem FC Bayern München durch ein 3:2 über den SC Freiburg den Aufstieg in die Bundesliga. Anfang der Woche hatte sie Premiere im Kader der A-Nationalmannschaft bei einem Lehrgang in Duisburg, am Donnerstag war in Würzburg Endspiel um den Länderpokal mit der U 20-Bayernauswahl gegen Hessen. Noch bis Sonntag ist jetzt Heimaturlaub und ein wenig Zweisamkeit mit Freund Jürgen angesagt, ehe es am Montag wieder zum A-Team geht. Als größeres Nahziel hat Felicia Notbom anschließend die Europameisterschaft mit der deutschen U 18 (vom 24. Juli bis 4. August in Frankreich) ins Auge gefasst. An die Olympischen Spiele in Sydney, wofür die deutschen Kickerinnen bereits qualifiziert sind, mag sie noch gar nicht denken.

Manchmal mag sich Felicia Notbom vorkommen wie in einem Aufzug, der nur nach oben fährt. Dabei begann alles in der tiefsten Ostallgäuer Provinz (wo aber ­ siehe 'Bulle' Roth aus Bertoldshofen ­ immer mal wieder große Fußballer gedeihen) bei einem Verein namens SV Pforzen. Mit ihren beiden Brüdern kickte das fußballbegeisterte Mädchen im Sturm, nachdem es schon mit zarten vier Jahren ihre Leidenschaft fürs runde Leder im heimischen Garagenhof entdeckt hatte. Von ihren Anfangszeiten beim SVP schwärmt die inzwischen zur Verteidigerin 'umgeschulte' Nationalspielerin noch heute: 'Es ist einfach ein großer Vorteil für die fußballerische Entwicklung , wenn du in der Jugend bei den Buben mitspielst.'

Den Buben gefiel es dann zwar weniger, als das Mädchen in der Truppe talentmäßig ein bisschen davon zog, aber davon ließ sich Felicia Notbom wenig beeindrucken. Auch nicht vom eher wenig fußball interessierten Vater (ihm zuliebe spielte sie eine Zeit lang Tennis). Eine große Fürsprecherin fand sie dagegen in der Mutter, die mittlerweile bei der Fülle von Terminen eine Art Manager-Funktion wahrnimmt. Und irgendwann folgte der Wechsel zur höherklassigen Sp Vgg Kaufbeuren, wo Notbom als Torjägerin glänzte.

Der große Einschnitt folgte vor zwei Jahren. 'Wir spielten in der Verbandsliga gegen Bayern München, und der damalige Trainer hat mich zu einem Probetraining eingeladen.' Nicht das einzige Angebot übrigens für die talentierte Stürmerin, denn 'manchmal ging fünf Mal am Tag das Telefon'. Den Schritt zu den Bayern hat sie nicht bereut. 'Die Kameradschaft war zwar toll in Kaufbeuren, aber die Perspektiven für die Zukunft halt nicht so', denkt Notbom zurück an ihren Wechsel.

Dann ging es Schlag auf Schlag, die Berufung in die A-Mannschaft von Bundestrainerin Tina Theune-Meyer (wo sie mit der Kaufbeurer Torhüterin Andrea Schaller ­ mittlerweile in Bad Neuenahr aktiv ­ auf eines der wenigen bekannten Gesichter traf) bedeutet den vorläufigen Höhepunkt in der Karriere der Felicia Notbom. 'Nebenbei' galt es noch das Fachabitur abzulegen ('zu 99 Prozent geschafft'), die Noten erfährt sie bezeichnenderweise demnächst bei einem Lehrgang.

Nach München pendeln

Die weitere Zukunft ist ebenfalls schon geplant: Der Bundesliga-Fußball mit den Bayern (Training, Spiele etc.) wird noch mehr Zeit in Anspruch nehmen, weshalb es nur logisch erscheint, dass Notbom ab September einen Job in der Bayern-Geschäftsstelle antritt. Pendeln zwischen der Landeshauptstadt und dem Ostallgäu wird sie weiterhin. Damit fällt es nicht schwer, vorauszusagen, dass der Termin-Stress nicht kleiner werden wird für Fußball-Talent Felicia Notbom. Und die Zeitspanne für gemeinsame Aktivitäten mit Freund Jürgen nicht größer.

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