Special Ostern ÜBERSICHT

Antarktis
«Ein Schoko-Osterhase wäre auch was Feines»

Osterhasen am Südpol? Fehlanzeige! Die langohrigen Pelztiere haben sich zwar fast überall auf der Welt angesiedelt, nur in die Antarktis haben sie es nicht geschafft. Dort hoppeln sie dem Oberallgäuer Fabian Zahnd in natura höchstens auf dem Kerguelen-Archipel über den Weg. Auf dieser Inselgruppe am Rand des Eiskontinents wurden die Nager im 19. Jahrhundert, wie auf anderen Inseln auch, als Nahrung für Schiffbrüchige ausgesetzt.

15 Monate im Eis

Aber das nur nebenbei. Denn ein Schiffbruch ging Zahnds Antarktis-Aufenthalt schließlich nicht voraus. Der 30-jährige Elektroingenieur aus Waltenhofen-Hegge arbeitet seit Ende 2010 in der Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Antarktis. Da sein Aufenthalt dort 15 Monate dauert, verbringt er auch Ostern 2011 im ewigen Eis - und das wohl ohne Osterhase, oder?

«Nein», sagt Zahnd und lacht. «Es wird sich bestimmt einer auftreiben lassen, der ihn spielt.» Passende Deko ist jedenfalls bereits gefunden. «Die lag auf der Station rum - wie unser Plastikweihnachtsbaum», berichtet Zahnd. «Außerdem haben wir Ostereierfarben mitgebracht und werden Eier bemalen», erzählt der Allgäuer. «Wir haben zwar nicht mehr allzu viele hier, aber bis Ostern reichen sie noch.»

Auf ein langes Wochenende muss der 30-Jährige zum Fest allerdings verzichten. Karfreitag und -samstag sind normale Arbeitstage. Am Sonntag wird aber nur das Nötigste getan. «Da lassen wir es ruhig angehen. Am Vormittag ist ein Brunch geplant und abends ein Festessen», sagt Zahnd. Was auf den Tisch kommt, wisse zwar bisher nur der Koch. Aber die Station sei gut versorgt - sogar Lamm sei vorhanden.

Den Rest des freien Ostersonntags will Zahnd faulenzen. «Die Woche über geht normalerweise jeder seinen Freizeitbeschäftigungen nach. Einer trommelt, wir treiben Sport oder schauen einen Film. Wir machen viel gemeinsam», erzählt er. Sonntag sei der Tag, an dem die Meisten einfach nichts tun - zumal in der Antarktis die dunkle Winterzeit einzieht, während im Allgäu der Frühling erwacht.

Die Temperaturen liegen derzeit bei 30 bis 35 Grad unter Null. Für das Osterwochenende sei Sturm mit Windstärken von bis zu 110 Stundenkilometern gemeldet, sagt Zahnd. Da wackle die Station. Das fühle sich an, wie in einem fahrenden Zug.

Ostern im Schneetreiben also - was im Allgäu vielfach für schlechte Laune sorgt, ist für Zahnd in Ordnung. «Ich stehe auf Winter», sagt er. «Wenn ich jetzt vor die Station gehe und der Schnee unter den Schuhen knirscht, ist das toll.» Ein wenig vermisst er den Frühling aber dennoch, vor allem, wenn in Nachrichten aus der Heimat von warmen Tagen und Eisessen im T-Shirt die Rede sei. «Raus ins Grüne wäre dann schon auch schön», gibt er zu. Viel mehr noch vermisst er zu Ostern aber seine Freunde. «Wir haben das verlängerte Wochenende immer für die letzte Skitour oder die erste Bergwanderung genutzt.

Das geht mir schon ab. Und ein Schoko-Osterhase wäre auch was Feines.»

Allerdings nicht, um die Fastenzeit zu brechen, da sie laut Zahnd auf der Station kaum eine Rolle spielt. Gerade die Techniker arbeiteten viel und körperlich schwer. Dazu kommt die Kälte. «Der Kalorienverbrauch ist sehr hoch. Da ist es nicht so einfach, mal eben weniger zu essen», sagt Zahnd.

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