Pfronten
Ein «Schatz» für Pfronten

«Die Villa Goldonkel ist eines der wenigen Häuser in Pfronten, an dem sich die Geschichte des Hauses im 17. und 18. Jahrhundert ablesen lässt», lobte Heimatforscher Bertold Pölcher den Ankauf durch die Gemeinde Pfronten. In dem historischen Gebäude unterhalb der Pfarrkirche St. Nikolaus in Pfronten-Berg seien sämtliche Originalbalken, die ursprüngliche Raumaufteilung und zahlreiche Ausstattungselemente aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten. «Ein kulturhistorischer Schatz», so Pölcher. Für besonders wertvoll und erhaltenswert hält Dr. Thomas Aumüller vom Landesamt für Denkmalpflege das barocke Anwesen. Der regionaltypische Ständerbohlenbau sei unverputzt geblieben und sein Sockelgeschoss stamme aus einem noch älteren Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert. Er rät von einer intensiven Nutzung ab, die die Bausubstanz belasten könne.

Bei einer Ortsbesichtigung informierte Anja Wünnemann (30) die Vertreter der Fraktionen des Pfrontener Gemeinderats über die Ergebnisse ihrer Masterarbeit im Studiengang Denkmalpflege an der Universität Bamberg. «Was wir hören werden, ist spannend und wichtig für die Entwicklung eines Nutzungskonzepts», leitete Bürgermeister Josef Zeislmeier die nicht alltägliche «Sitzung» vor Ort ein. Die Datierung über dem Tennentor «1793» sei durch dendrochronologische Untersuchungen (Siehe «Wortweiser») bestätigt worden, teilte Wünnemann mit. Sie hat über das Gebäude, seine Bestandteile und Ausstattungsmerkmale eine umfangreiche Dokumentation erstellt und vier Monate in dem Anwesen gelebt. «Das war total interessant und für meine Arbeit von unschätzbarem Wert», berichtete sie.

Nach ihren Untersuchungen besteht die «Villa Goldonkel» aus zwei unterschiedlichen Gebäudetypen: einem Hauptgebäude von 1793 und einem Kernbau im Sockelgeschoss aus dem 17. Jahrhundert. «Seine Decke stammt von 1643, das Gebäude ist älter. Es weist Elemente einer typischen Wohnausstattung auf: «Kienleuchte», Feuerstelle mit Rauchabzug, Sockelfundament eines Ofens, Raumabfolge und Fenster in der Außenwand», so Wünnemann.

Bis ins 17. Jahrhundert hat Pölcher die Reihe der Besitzer zurückverfolgt (siehe «Chronologie»), darunter Josef Weber, der 1793 die «Villa Goldonkel» erbaute. Die Webers zahlten niedrige Steuersätze, waren also nicht sehr vermögend. Woher hatte Joseph Weber das Geld für den repräsentativen Bau? «Ein ungelöstes Rätsel. Im Volksmund hieß es, Joseph Weber habe aus den Napoleonischen Kriegen seinen Sold in französischen Golddukaten heimgebracht.

Eine hübsche Geschichte, die sich nicht beweisen, aber auch nicht widerlegen lässt», so der Heimatforscher. Vielleicht kam die Villa auf diese Weise zu ihrem Namen. Auch «Glaser» hieß das Anwesen, weil die früheren Besitzer das Glaserhandwerk ausübten, oder «Jakele» nach dem Besitzer Jakob Haf oder «beim Gässele», weil hinter dem Haus bis 1690 ein Aufgang (Gasse) zur Kirche verlief. «Enorm, welche bauhistorische Substanz in dem Gebäude steckt», war Gemeinderat Peter Scholz beeindruckt.

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