Kempten
Ein Sänger aus Leidenschaft - kein Superstar

Über den mittlerweile verstorbenen Startenor Luciano Pavarotti sagte angeblich sein erster Gesangslehrer, der Knabe habe kein Talent. Doch Pavarotti gab nicht auf, übte weiter und wurde weltberühmt. Auch über Paul Potts heißt es immer wieder, dem Tenor fehle es an der Stimme. Bei seinen Studioaufnahmen mag dieses Defizit vorhanden sein. Doch auf der Bühne macht der Brite dieses kleine Manko durch seinen Enthusiasmus mehr als wett. So auch in der Big Box in Kempten, wo er am Freitagabend die rund 2000 Besucher begeisterte.

Dabei gibt er nicht den großen Entertainer. Diese Rolle liegt ihm auch nicht besonders. Als er zu Beginn des Konzerts zwei rote Rosen ins Publikum wirft, erinnert er nicht an einen feurigen Südländer, der die Frauen mitreißen will. Offensichtlich wohler fühlt er sich, wenn er vom glücklichen Leben mit seiner Frau erzählt und davon, dass Männer doch eher Weicheier sind und aus jedem Schnupfen eine Grippe machen.

Der Mann wird vermutlich nie zum abgehobenen Superstar. Genau das macht ihn so sympathisch. Doch wenn er seine Augen schließt, dann wird aus dem zurückhaltenden Dr. Jekyll sofort Mr. Hyde, ein Mann, der bereit ist, fürs Singen alles zu tun.

Voller Inbrunst stimmt er die Stücke an - egal, ob sie nun vom italienischen Opernkomponisten Puccini stammen oder von der US-amerikanischen Soulsängerin Roberta Flack interpretiert wurden.

Endgültig in die Herzen schafft es Potts dann mit dem auf Deutsch gesungenen «Dein ist mein ganzes Herz» von Franz Lehar. Mit seiner musikalischen Mischung kann der ehemalige Handy-Verkäufer zu einem Botschafter der Klassik werden. Begleitet wird Potts vom Neuen Philharmonie-Orchester Frankfurt - das erfreulicherweise nur sehr wenige elektronische Einspielungen benötigt - und der Neuseeländerin Elisabeth Marvelly. Ihr hätte man etwas mehr Mut bei der Auswahl der Stücke gewünscht. Ihre Stimme überzeugte durchaus, die netten Popliedchen zu Beginn blieben aber blass. Dass sie auch ganz anders kann, zeigte sie mit «Tarakihi», für das sie viel Applaus erhielt.

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