Fünf vor zwölf
Ein Pakt für die Pflege - Aktionsbündnis in Kempten

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Fünf vor zwölf bei der Pflege? Oder gibt es bereits den Pflegekollaps? Im Allgäu haben sich jetzt über 20 Pflegeeinrichtungen zum Aktionsbündnis 'Pflege im Aufbruch' zusammengetan. Die Leitungs- und Fachpersonen sind das 'allgemeine Lamentieren' leid, sagen sie. Sie wollen die größten Herausforderungen im stationären Pflegebereich, besonders Personalnotstand, Dokumentationsaufwand und mehr direkte Betreuungszeit für die Pflegebedürftigen angehen und Verbesserungen erreichen.

Mit einer Reihe von Veranstaltungen wollen die Mitglieder des Allgäuer Aktionsbündnisses 'Pflege im Aufbruch' auf die Situation aufmerksam machen und konkrete Verbesserungsvorschläge entwickeln. Denn: 'Würdevolle Pflege ist ein Menschenrecht', so Dr. Philipp Prestel, Diplom-Gerontologe bei Allgäu Stift in Kempten und Mitglied in der Steuerungsgruppe.

In einer ersten Konferenz hat das Aktionsbündnis Pflegekritiker und Sozialexperte Claus Fussek aus München zum Fachgespräch ins Allgäu geholt. 'Wir alle machen in den Heimen einen klasse Job, aber wir stoßen alltäglich an Grenzen', meinte Mitinitiator Ulrich Gräf, Geschäftsführer der Allgäu-Pflege gGmbH aus Sonthofen.

Der demografische Wandel, vermehrte Bürokratie und ausufernde Administration, die Wünsche der Bewohner, die Ansprüche der Angehörigen und der fehlende Nachwuchs seien kaum noch händelbar.

'Wenn Sie die Weichen für die Zukunft stellen wollen, muss es einen Paradigmenwechsel geben', meinte Fussek: 'Der Angehörige ist nicht nur Erbe, sondern selbst in der Verantwortung zur Mithilfe' Die Heime dürften nicht ihre Häuser 'präparieren', wenn sich Politikerbesuch ansagt, sondern 'ungeschönt' die Realität zeigen.

Sehr gut vorstellen konnten sich Prestel und Wolfgang Grieshammer, Geschäftsführer der Diakonie Kempten-Allgäu, ein solidarisches Handeln bei der Reduzierung der Pflegedokumentation: 'Wir sollten uns allgäuweit absprechen und für einen vorher festgelegten Zeitraum nur das dokumentieren, was wirklich nötig und machbar ist.'

Das Thema Nachwuchs sprachen besonders die Pflegedienstleiterinnen an. Es sei immer schwieriger, gute Pflegekräfte zu bekommen. Die Bewerber gehen zurück, das Auswahlverfahren leide darunter und die umfangreiche Ausbildung sei für ausbildende Heimbetriebe belastend.

Fussek empfahl, sich nicht mit unqualifiziertem Personal zufriedenzugeben: 'Plakatieren Sie, woran es fehlt, wo Sie an Grenzen stoßen. Dann können Politiker, Angehörige und Bürger nicht sagen, sie hätten ja nichts gewusst'.

Fussek bemängelte auch die zahlreichen Qualitäts-Zertifizierungsmaßnahmen. Das Geld sollte lieber in Fort- und Weiterbildung investiert werden. Unternehmenskultur sowie Fürsorge für das Personal sprach Grieshammer an: 'Unsere Pflegekräfte schaffen sich auf.' Fusseks Rat: Die Mitarbeiter auffordern, ihren Alltag zu beschreiben und das öffentlich machen.

INFO: 24 Pflegeeinrichtungen aus Kempten, Immenstadt, Kaufbeuren, Lindau und Sonthofen sowie Altusried, Betzigau, Blaichach, Buchenberg, Dietmannsried, Durach, Nesselwang, Röthenbach, Seeg, Waltenhofen, Weiler-Simmerberg, Weitnau und Wiggensbach gehören dem Allgäuer Aktionsbündnis an.

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