Füssen / Lechbruck
Ein meist ungleiches Duell

Für seine Antwort lässt sich Florian Schmid Zeit. Viel Zeit. «Was den Reiz des Golfens ausmacht?», wiederholt der 17-Jährige die Frage mit starrem Blick, tief in Gedanken versunken. Einen großen Schluck aus seiner Johannisbeersaftschorle später sagt er schließlich: «Wahrscheinlich, dass man nie perfekt sein wird.» Zufrieden mit seiner Antwort holt der Gymnasiast aus Füssen weiter aus: «Es ist ein Spiel, eher sogar ein Kampf gegen sich selbst.» Ein Kampf, der jedes Mal aufs Neue beginnt. Ein Kampf, der den jungen Golfer immer wieder aufs Grün zieht. Mit dem immer gleichen Ziel: ihn zu gewinnen.

Es sei vollkommen normal, dass es den einen Tag läuft und den nächsten gleich gar nicht, beschreibt Florian. «Golf ist eine Kopfsache», sagt er. So spiele sich eine Partie zu gut 80 Prozent im Kopf ab. «Es geht darum, sich selbst zu schlagen», so der Schüler. Diesem Duell mit sich selbst hat sich der Freizeitsportler inzwischen unzählige Male gestellt, hat in seinen gut zehn Jahren, die er inzwischen dem Golffieber verfallen ist, viel Lehrgeld bezahlt. «Um besser zu werden, muss man ständig an sich arbeiten - wie in jeder anderen Sportart auch», vergleicht Florian.

Zweimal die Woche arbeitet er im Training an sich, hinzu kommt ein weiterer Tag am Wochenende, den er auf dem Golfplatz Auf der Gsteig in Lechbruck verbringt. Er weiß: «Golf ist eine sehr zeitaufwendige Sportart.» Eine, die sehr viel Geduld erfordere. Die scheint der 17-Jährige zu haben: Von der Platzreife hat er sich in zehn Jahren inzwischen zu Handicap 9,3 vorgespielt. Die Zahl bemisst sich nach komplizierten Rechenregeln und ist nur bei Turnieren zu verbessern. Wobei auch eine Verschlechterung möglich ist.

Dank der Großeltern

Die hat es bei Florian in all den Jahren aber noch nicht gegeben. Zum Glück, wie er sagt. «Das wäre schon eine arge Niederlage», räumt der ehrgeizige Sportler ein, der dank seiner Großeltern zu dem für Kinder zumindest damals ungewöhnlichen Sport gekommen ist. Beide haben einst am Bullachberg nahe Schloss Neuschwanstein gespielt, ihren Enkel regelmäßig mitgenommen. «Nur nebenherlaufen wurde mir aber irgendwann zu langweilig», sagt Florian. Also hat er selbst zum Schläger gegriffen - und seither nicht mehr aufgehört zu spielen.

Die Faszination Golf hat inzwischen die ganze Familie ergriffen: Nach dem Vater hat nun auch Florians Mutter angefangen, den Schläger zu schwingen. So kommt es inzwischen immer öfter zum familieninternen Duell, bei dem der Jüngste meist die beste Figur abgibt.

Trotzdem wird Golf für den Schüler immer ein «reines Freizeitvergnügen» bleiben: «Profi werde ich sicher nicht: Dazu bin ich zu alt - oder mein Handicap zu schlecht», sagt der Anhänger von Tiger Woods. Eines lässt er sich dennoch nicht nehmen: den Spaß. Denn der sei bei allem Ehrgeiz mit das Wichtigste am grünen Sport. Perfektion hin oder her.

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