Ein Mann des offenen Worts

Von Barbara Hell | Altusried Von Fraktionszwang hält der 65-jährige Georg Heberle nichts: 'Echte freie Wähler gibt’s nicht so viele', meint er verschmitzt und meint damit solche, die nach ihrem eigenen Kopf abstimmen und nicht nach der Mehrheitsmeinung in der Fraktion. Deshalb wollte der Landwirt und Maurer nach sechs Jahren im Kreistag auch nicht mehr in diesem Gremium aktiv sein, sondern 'wechselte' in den Altusrieder Gemeinderat: 'Ich lass’ mir nicht vorschreiben, was ich denken soll.'

Nur noch wenige Wochen sind es bis zu den Kommunalwahlen am 2. März. In etlichen Gemeinden im Oberallgäu treten einige Männer nicht mehr an, die Jahrzehnte lang im Gemeindeparlament aktiv waren, darunter auch als stellvertretende Bürgermeister. In einer Serie stellen wir diese verdienten Kommunalpolitiker vor.

Kein Blatt vor den Mund

Dass er nicht zu seiner Meinung stehen würde, kann diesem sportlich aktiven Rentner wohl kaum jemand vorwerfen. Kein Blatt nimmt er vor den Mund, wenn er nach Fehlern oder Niederlagen in den 24 Jahren seiner Tätigkeit im Gemeinderat befragt wird: Dass der Naturkostbetrieb 'Rapunzel' nicht in Altusried, sondern in Legau seinen Weg zum Erfolg antreten konnte, findet Heberle noch heute 'jammerschade'. Das Gesicht des Rathausplatzes missfällt ihm zutiefst, hat er doch zu Zeiten des Jugendheimbaus dafür plädiert, das Areal von der Durchgangsstraße abzukoppeln. Und gar 'den Vogel oben raus g’haut' hat’s ihm, als die Ansiedlung eines Supermarkts dort diskutiert wurde. '1000 Autos mit Kunden dort täglich, das kann’s doch nicht sein.' Ein 'Flop' sei auch der Bau der Alpenblickstraße als Art Umgehung für die Hauptstraße gewesen: 'Da hab’ ich mir erlaubt, als einziger dagegen zu stimmen.'

Offene und auch mal kräftige Worte findet der Vater von zwei Söhnen und Großvater von drei Enkelkindern aber auch, wenn es um das Erreichte für Altusried geht: 'Der Eiffelturm in Paris wurde nur einmal gebaut, und so ist es auch mit unserer Freilichtbühne, das macht auch kein anderer', ist sich Heberle sicher. Und obwohl ihm die Finanzlage Sorgen macht und er für kürzere Intervalle der Altusrieder Aufführungen plädiert, hält er diese Investition für 'a guate Sach’'. Ein Glücksfall für die Gemeinde sei auch die Ansiedlung der Druckerei Kösel und der Anschluss an die Autobahn mit Umfahrung Dietmannsried. 'Wunderbar zu gestalten' fand der seit zwölf Jahren amtierende stellvertretende Bürgermeister die Dorferneuerung für Frauenzell und Krugzell. Und für die Landwirtschaft sei durch die Flurbereinigung viel erreicht worden.

Sein Hauptaugenmerk in der kommunalpolitischen Laufbahn galt der Schule, 'die haben wir auf Vordermann gebracht', und dem Vereinsleben. Seit 30 Jahren ist Heberle Übungsleiter beim Sportverein und als Rad-, Skifahrer und Tischtennisspieler nach wie vor selbst aktiv. Seinem Bewegungsdrang will der 65-Jährige künftig noch mehr freien Lauf lassen: 'Solange ich gesund bin, will ich den Sport genießen.'

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