Kempten
«Ein Leben ohne Quelle-Katalog kann ich mir gar nicht vorstellen»

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«Der erste Quelle-Katalog landete im Frühjahr 1954 in den deutschen Briefkästen». Noch gut erinnert sich daran Richard Kaindl, stellvertretender Geschäftsleiter des Quelle-Technikcenters, der schon damals als kleiner Bub in einem so «tollen Haus arbeiten wollte». Heute weiß der 61-Jährige auch noch, dass es im elterlichen Haushalt nach dem ersten Quelle-Katalog «nichts mehr gegeben hat, was nicht bei Quelle gekauft wurde». Erinnerungen wie Kaindl haben viele an das Traditionsversandhaus, das nach 82 Jahren vor dem Aus steht. Auch das Quelle-Technikcenter in Kempten schließt bald (wir berichteten).

«Erst mal sehn was Quelle hat», war seit über 50 Jahren die Devise von Juliane Thurnbauer. «Damals hatte man nicht so viel Geld und aus dem Katalog konnte ich für meine drei Kinder günstig einkaufen. Auch die Unterwäsche für meinen Mann war immer von bester Qualität. Ebenso die großen Anschaffungen wie Waschmaschine oder Fernseher», erzählt die 76-Jährige. Just an ihrem Geburtstag begleitet sie ihre Tochter Antonie Benz - ebenfalls überzeugte Quelle-Kundin - noch einmal ins Technikcenter, um die letzten Schnäppchen mitzunehmen.

Denn «nie mehr sehen, was Quelle hat», wird es bald für viele jahrzehntelange Kunden heißen. Zum Beispiel für Renate Batscheider: Das meiste habe sie aus dem Katalog bestellt, «weil es einfach praktisch war, dass alles ins Haus geliefert wurde».

Darunter vor zehn Jahren eine Nähmaschine, «die näht heute noch prima». Auch ihre 82-jährige Mutter habe schon in jungen Jahren «den Katalog von Quelle zu Hause gehabt. Sicher hängt bei ihr auch noch ein Kleid nach Schnitten von Heinz Oestergaard im Schrank», sagt sie und lacht.

Ein Stück Nachkriegsgeschichte geht nach Meinung von Sieglinde Ruf-Brachs mit dem Aus von Quelle zu Ende. Denn mit dem «Bestellen aus dem Katalog sind die Leute erstmals in der Lage gewesen, auf Abzahlung einzukaufen», findet sie. Kredit bei der Bank zu bekommen sei damals wohl nicht so einfach gewesen.

Fast die ganze Einrichtung

Fast ihre gesamte Wohnungseinrichtung inklusive der Elektrogeräte nach und nach aus dem Katalog bestellt hat Sieglinde Weihele. Auch alles für die Freizeit. Ein Leben ohne Quelle-Katalog kann sie sich gar nicht vorstellen. Schon als Kind hat sie ihre gesamte Kleidung von Quelle bekommen und manches, wie später ihre Gefriertruhe, galt damals als eine außergewöhnliche Anschaffung.

Kleidung von Quelle wurden in früheren Jahren auch für die zwei Kinder von Ute Gartz bestellt und schon ihre Eltern, erzählt sie, hätten sich mit dem Versandhaus identifiziert. Als Kind, ergänzt sie, habe sie nicht einmal gewusst, dass es noch andere Einkaufsmöglichkeiten gab. Einige Jahre lang war Gartz selbst bei Quelle beschäftigt. Und nun, nach all dem Hoffen und Bangen der schwere Schlag: «Das Aus von Quelle macht Angst», meint die 47-Jährige.

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