Bundesfreiwilligendienst
Ein Lächeln genügt als Dank - 68-Jähriger arbeitet in Sozialstation in Lindenberg

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Klaus Holze streichelt der alten Frau über den Kopf, er legt seinen Arm um ihre Schulter und hilft ihr geduldig beim Essen. Er spricht mit ihr und fragt, ob ihr der Pudding schmeckt. Obwohl er ihr seit September täglich hilft, kennt sie ihn am nächsten Tag nicht mehr.

Der 68-jährige Klaus Holze arbeitet als Bundesfreiwilliger in der Tagespflege der Sozialstation Westallgäu, in der überwiegend Demenzkranke gepflegt werden. Seit September ist er dort halbtags tätig. Der Lindenberger ist einer der ganz wenigen in der Region, die den Bundesfreiwilligendienst (BFD) angetreten haben, seit er am 1. Juli 2011 eingerichtet wurde.

Seitdem es keine Zivildienstleistenden mehr gibt, suchen viele Einrichtungen nach Bundesfreiwilligen. Das Pflegeheim Fink in Untertrogen hat mit den Häusern in Heimenkirch und Schüttentobel insgesamt fünf Plätze frei. Unterstützung benötigen auch das Haus Hubertus und der Stadtbauhof Lindenberg.

Für die Stelle des Zivis ist bis heute kein Ersatz gefunden worden. 'Eine Hilfe könnten wir gut gebrauchen', sagt Bauhofleiter Richard Herz. Auch beim Bayerischen Roten Kreuz werden ab Mitte des Jahres wieder vier bis fünf Stellen frei. Bisher haben junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren, beim Roten Kreuz ausgeholfen.

Klaus Holze kann sich das Desinteresse am BFD nicht erklären. 'Für ältere Leute, die noch fit sind und Zeit haben, ist das eine ideale Beschäftigung', sagt der Lindenberger. Schließlich könne man ausschlafen, habe den Vormittag zur freien Verfügung und bessere ein bisschen seine Rente auf.

Auch jüngere Leute sollten sich überlegen, ob der Freiwilligendienst für sie nicht eine Option wäre, fordert Holze auf. Er betont, dass er das Klischee, ihm sei es daheim zu langweilig und er brauche Anerkennung, nicht bedienen kann. 'Es macht mir einfach großen Spaß, hier zu arbeiten.

Und das Arbeitsklima ist super.' Für Holze ist es wichtig, dass er 'jeden Tag mit Freude zur Arbeit geht'. Er bekomme von den alten Menschen viel zurück. 'Ein Lächeln genügt als Dank', sagt der Lindenberger.

Gerne mit Menschen in Kontakt

Klaus Holze war früher als Sportlehrer und Fußballtrainer viel mit Menschen in Kontakt, vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Seitdem er in Ruhestand ist, fehlt ihm das. Im Internet hat der Rentner vom BFD gelesen und erfahren, dass die Sozialstation Westallgäu in der Tagespflege einen freiwilligen Helfer sucht.

Obwohl sein Bekanntenkreis zwiegespalten auf sein Vorhaben reagierte, ließ Holze sich nicht abhalten. Seitdem holt er jeden Tag das Essen für die Patienten, erledigt den Abwasch und betreut Demenzkranke. 'Es muss einem gegeben sein, mit älteren, kranken Leuten umzugehen. Alle können das nicht', sagt Holze.

Sein Arbeitsvertrag geht eigentlich nur über ein Jahr, aber wenn die Gesundheit weiterhin mitmacht und er Spaß bei seiner Aufgabe hat, möchte der 68-Jährige gerne noch länger arbeiten.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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