Memmingen
Ein Kribbeln im Bauch

Sie tragen blaue Jacken, schwarze Hüte, weiße Kniestrümpfe und spielen auf großen Trommeln und kleinen Flöten: Die Memminger Trommlerbuben und -mädchen. Pünktlich zu den Heimatfesten ziehen sie wieder im Gleichschritt durch die Straßen der Stadt.

«Wir üben schon das ganze Jahr über für diese Auftritte», erzählt Gruppenleiterin Andrea Breckel. So gebe es einmal wöchentlich eine Marschprobe und Musikunterricht, bei dem die Volks- und die modernen Lieder geübt werden. Zusammengerechnet legen die jungen Musikanten in der Heimatfestwoche eine etwa 80 Kilometer lange Strecke zurück. «Da bekommen einige Blasen an ihren Füßen», erzählt Marc Negele. Der Zehnjährige ist seit fünf Jahren bei der Trommlergruppe dabei. «Es macht total Spaß», schwärmt er. Die bunte Mischung der Lieder und das Kribbeln im Bauch vor den Auftritten - das sei einfach schön.

Ihren ersten Auftritt hat die Trommlergruppe bei der Übergabe der Kinderfestmedaille am heutigen Abend: Mit sanften Flötenklängen und lauten Trommeltönen stimmen sich die Musikanten auf die kommenden Tage ein. Am Mittwoch und Freitag stehen dann Zapfenstreich und am Donnerstag und Samstag Weckruf, Kinderfestumzug, Fischerzug und Krönungsfrühschoppen auf dem Programm.

«Nervosität ist vor den Auftritten schon zu spüren», sagt Breckel. Etwa 20 Buben und 20 Mädchen spielen in der Musikgruppe, die aus den Memminger Stadtpfeifern hervorgegangen ist und bereits seit über 100 Jahren besteht. «Früher durften nur Buben mitspielen und die Trommler hatten noch Perücken auf», erinnert sich Breckel. «Seit dem Beitritt zum Fischertagsverein im Jahr 1995 können auch Mädchen mitmachen.»

Zwei Jahre dauert die Ausbildung auf einer Piccoloflöte. Danach dürfen sich die Kinder zwischen acht und 16 Jahren zwischen Blasinstrument und Trommel entscheiden.

Neben dieser Musikgruppe bereitet sich beispielsweise auch Günther Bachfischer auf den Fischertag vor. Als Nachtwächter zieht er am kommenden Freitag und Samstag, jeweils ab 22 Uhr, durch die Stadt. Mit dunklem Mantel, spitzem Hut, Laterne und Horn ausgestattet, verkündet er zu jeder geschlagenen Stunde auf seinem Weg durch die Innenstadt das Nachtwächterlied «Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen, unsre Glock' hat geschlagen.» Außerdem erzählt er schaurige Sagen und Geschichten aus der Maustadt.

Mittelalterlicher Brauch

Seit dem Jahr 1959 wird der Brauch des Mittelalters in Memmingen fortgeführt. Bachfischer, im richtigen Leben Brand- und Katastrophenschutz-Beauftragter der Stadt, ist seit dem Jahr 2000 Nachtwächter. Er trat damals die Nachfolge von Rolf Spitz an. «Es macht Spaß, Leute zu treffen und vor ihnen zu singen, auch wenn die nächtlichen Ausflüge anstrengend sind.»

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