Wien
Ein kleines Wiener Neujahrskonzert

Ein Hauch von Wien wehte durch den Kaufbeurer Stadtsaal: Das Orchester des Sorbischen Nationalensembles unter seinem Chefdirigenten Dieter Kempe präsentierte zusammen mit einigen Balletttänzern und zwei österreichischen Solisten ein Programm, das durchaus als eine «Light»-Version des Wiener Neujahrskonzertes durchgehen konnte. «Light» bezog sich dabei lediglich auf die Zahl der Musiker, denn Kempe und sein Ensemble zeigte, dass man auch als quasi erweitertes Kammerorchester diese Musik bestens interpretieren kann.

Zur Einleitung erklang Musik von Carl Michael Ziehrer, den man gerne mit einem anderen Wiener Großereignis verbindet. Denn dessen «Fächer-Polonaise» ist regelmäßig beim Opernball zu hören. In Kaufbeuren spielten die Musiker seinen großen Walzer «Hereinspaziert», bei dem sich auch gleich das Ballett profilieren konnte. Die kaum reduzierten Bläser - hier spielt jeder solistisch - und der mit nur knapp 20 Instrumenten vergleichsweise kleine Streicherapparat ließen klangliche Unausgewogenheit befürchten. Kempe sorgte jedoch stets für eine gute Balance - erst recht in der Begleitung der Gesangssolisten. Da wurde von der souverän moderierenden Christina Nerad zunächst Isabella Ma-Zach angekündigt.

Die gebürtige Steirerin, die jetzt in Wien lebt, ist vorwiegend im Soubrettenfach zu Hause, verfügt aber über ein angenehm warmes Timbre sowie umfangreiche Bühnenerfahrung. Höhepunkt war zweifellos die «Annen-Polka», die als «Schwipslied» auch Einzug in die Operette «Wiener Blut» gehalten hat.

Szenisches Talent und beeindruckende Stimme

Ein ebenso großes szenisches Talent zeigte der aus Thüringen in Vorarlberg stammende Tenor Michael Heim, wobei er das Publikum immer wieder im Unklaren darüber ließ, ob er die stets etwas überheblich daher kommenden Charaktere aus Operetten von Robert Stolz oder Franz Lehár mit ironischer Brechung darstellte oder nicht.

Stimmlich ist er mit einer ordentlichen Portion Strahlkraft ausgestattet, und wenn es am Schluss eines Liedes einmal in die Ober-Oktav geht, dann hat er auch in der Kopfstimme noch einiges zuzusetzen. Auch das Orchester konnte sich mit einigen Zwischenspielen bestens profilieren. Bei der Polka Mazurka «Frauenherz» von Joseph Strauß musste man aber genauer hinhören. Denn dieser traditionell im Dreivierteltakt stehende Tanz unterscheidet sich nur graduell vom Walzer «Winterstürme» des sonst eher für seine Märsche bekannten Julius Fucík. Das Stück erklang mit einem rauen Einstieg, quasi als Reminiszenz an das derzeit nicht nur in der Heimat des Orchesters vorherrschende raue Klima.

Auch die Schnellpolka «Plappermäulchen» von Joseph Strauß klang eher eine Spur zu kräftig, so als sei das Stück mehr der Schwiegermutter als der eigenen kleinen Tochter gewidmet. Mit dem «Radetzky-Marsch» von Johann Strauß Vater, der für das begeistert applaudierende Publikum noch einmal wiederholt wurde, ging das kleine Wiener Neujahrskonzert in Kaufbeuren zu Ende.

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