Holzgünz
Ein kleiner Pieks, der ein Leben retten wird

Martina Eberle «muss jemandem helfen, der ein Aua hat». Deshalb geht sie ins Krankenhaus. So hat sie zumindest ihrer zwei Jahre alten Tochter erklärt, warum sie demnächst drei Tage nicht zuhause sein kann. Doch das entspricht nicht ganz der Wahrheit: Denn eigentlich hilft die 25-Jährige aus Holzgünz bei Memmingen durch eine Stammzellenspende, ein Menschenleben zu retten.

Vergangenen Dezember hat sich Martina Eberle an der großen Typisierungsaktion für das an Leukämie erkrankte Baby Luis aus dem Oberallgäuer Probstried beteiligt (wir berichteten mehrfach). «Meine Tochter hat mich dazu bewogen», nennt die junge Mutter den Grund, warum sie sich in die Stammzellenspender-Datei der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) aufnehmen ließ. «Mein Mann und ich haben uns gesagt, wenn es unserer Tochter so ginge, wären wir froh, wenn viele mitmachen würden», fährt sie fort.

Gesagt, getan - dass sie allerdings nur wenige Monate später bereits zur Spenderin werden würde, hatte Martina Eberle damals nicht angenommen. «Es ist auch total selten, dass es so schnell geht», bestätigt Verena Spitzer, Sprecherin der AKB. «Meistens stehen die Spender viel länger in der Datei.

» Durch die Typisierungsaktion für Luis jedoch fanden innerhalb kurzer Zeit sogar zwei kompatible Spender-/Empfängerpärchen zusammen: Neben Martina Eberle gibt es noch eine Spenderin aus Kempten. Dem kleinen Luis wiederum brachte die Aktion keinen passenden Kandidat. Für ihn wurde aber mittlerweile ein Spender in einer anderen Datei gefunden (wir berichteten).

Empfänger unbekannt

Wer von Martina Eberles Stammzellen profitiert, kann die junge Frau nicht sagen. «Ich weiß nur, dass der Patient zwischen 40 und 50 Kilogramm wiegt», berichtet sie. «Eine der beiden Spenden geht nach Deutschland, die andere nach Frankreich», ergänzt Verena Spitzer noch. Genauere Informationen hat aber auch die AKB-Mitarbeiterin nicht.

In einem Jahr jedoch kann Martina Eberle anonym Kontakt mit dem Empfänger aufnehmen, indem über die Spenderdatei ein Brief von ihr weitergeleitet wird. «Nach zwei Jahren ist ein persönlicher Kontakt möglich, wenn beide das wollen», berichtet die 25-Jährige. Von ihrer Seite aus stünde einem solchen Treffen bisher nichts im Wege: «Mich würde schon interessieren, wer es ist und wie es ihm geht», sagt sie.

Bevor es zu der Begegnung kommen kann, muss jedoch erst einmal die Spende über die Bühne gebracht werden. Dafür ist im Grunde nur ein kleiner Pieks nötig - oder genauer eine Punktion des Beckenkamms (siehe Infokasten). «Der Termin ist am 11. Mai», erzählt Martina Eberle. Drei Tage verbringt sie dafür im Krankenhaus in Gauting. Angst hat sie «nur vor der Vollnarkose ein bisschen. Mein Mann macht sich da mehr Sorgen», berichtet sie und fügt an: «Ich freue mich einfach sehr, dass es mit der Spende klappt.»

Die Stammzellenspende im Überblick

Die Typisierung ist der erste Schritt. Dabei werden dem Spender zwei Milliliter Blut abgenommen und dieses zunächst auf zwei von fünf Gewebemerkmalspaaren untersucht. Grund: Dieser Test wird einzig durch Spenden finanziert.

Weitere Tests werden erste durchgeführt, wenn ein Spender und ein Patient in diesen Merkmalen übereinstimmen.

Im nächsten Schritt wird dem Spender nochmal Blut abgenommen, um unter anderem Verwechslungen auszuschließen. Gesundheitszustand und medizinische Vorgeschichte werden abgefragt.

Die körperliche Voruntersuchung des Spenders ist der letzte Schritt vor der tatsächlichen Spende.

Die Stammzellen werden schließlich zum Beispiel unter Vollnarkose durch eine Punktion des Beckenkamms entnommen. Der Spender verbringt dafür drei Tage im Krankenhaus.

Spendenkonto Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern, Dresdner Bank, BLZ 70080000, Konto 0977704002 (Falls beim Überweisen die Commerzbank erscheint, sind die Kontoangaben nicht falsch. Beide Banken fusionieren nur gerade.)

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