Kempten
Ein Herz für Klassik und Jazz

Vier Solisten gestalten das fünfte Meisterkonzert am Samstag, 30. Januar (19 Uhr), im Theater in Kempten (ursprünglich war das Konzert für 29. Januar vorgesehen). Neben dem mehrfach mit hochkarätigen Preisen ausgezeichneten Geiger Benjamin Schmid interpretieren Thomas Selditz (Violine, Viola), Quirine Viersen (Violoncello) und Silke Avenhaus (Klavier) Werke von Mahler, Korngold und Schönberg. Wir sprachen mit dem 1968 in Wien geborenen Benjamin Schmid über das Konzert, sein Faible für Korngold und seine Liebe zum Jazz.

Herr Schmid, in Kempten sind sie ja schon ein Dauergast

Schmid: Ja, es ist schon eine echte Tradition. Ich glaube, ich bin zum sechsten Mal in Kempten. Einmal war ich mit meiner Frau (Anm. d. Red.: die Pianistin Ariane Haering) hier, einmal mit Oliver Triendl.

Sie treten diesmal mit drei weiteren Solisten auf. Wer gibt den Ton an?

Schmid: Wir sind eine sehr demokratische Gruppe. Wir haben Kammermusik ausgewählt, die nicht auf eine Formation beschränkt wäre wie zum Beispiel ein Streichquartett.

Dies wird ja auch im Hauptstück, Korngolds Suite op. 23, deutlich

Schmid: Ja, genau. Es ist eine sehr ungewöhnliche Besetzung: zwei Geigen, ein Cello und ein Klavier linke Hand, also ein Klavierquartett, in dem die Bratsche fehlt und die rechte Hand des Klaviers. Das Stück hat Paul Wittgenstein, der Bruder des Philosophen Ludwig Wittgenstein in Auftrag gegeben. Er hatte im Krieg den rechten Arm verloren und konnte nur noch links spielen.

Was zeichnet Korngolds Suite aus?

Schmid: Das 40-minütige Werk halte ich für eines der stärksten Kammermusikstücke überhaupt. Ein weltmeisterliches Stück. Ich war von dieser Tonsprache von Anfang an fasziniert, von dieser gewagten Harmonik, die ihre Fundamente noch in der Romantik hat. Da gibt es neben zwei fulminanten Ecksätzen einen sehr wienerischen Satz, wo Strauss und Ravel vorbeispazieren, oder da ist der 4.

Satz, der unglaublich idyllische großartige Musik bietet.

Aber es gibt ja noch andere spannende Werke im Programm

Schmid: Wir schlagen einen Wiener Bogen von dem frühen Gustav Mahler und seinem Klavierquartettsatz zu diesem unbekannten Erich Wolfgang Korngold, bis hin zu Arnold Schönberg. Dessen hinlänglich bekannte «Verklärter Nacht» bringen wir in der Klaviertrio-Fassung von Eduard Steuermann. Voran stellen wir noch ein Spätwerk Schönbergs, die Fantasie für Violine und Klavier op. 47, in der Schönberg schon ganz zwölftönig und atonal unterwegs ist.

Mit Korngolds Violinkonzert feierten sie bei den Salzburger Festspielen 2004 mit den Wiener Philharmonikern unter Seiji Ozawa einen großen Erfolg. Was schätzen Sie denn an Korngold?

Schmid: Sein ungemein kompetentes Komponieren. Korngold war am beginnenden 20. Jahrhundert eines der größten Wunderkinder, die es je gegeben hat. Zeitzeugen von Mahler bis Strauss haben gesagt, dass er seit Mozart die größte Begabung sei. Er hat dann eine sehr gute Karriere in Hollywood gemacht. Man sagt immer, Korngold klingt nach Hollywood, aber es ist umgekehrt, Hollywood klingt nach Korngold. Weil er den Filmsound entwickelt und erfunden hat. Es gäbe keinen einzigen Spielberg-Film, wenn es nicht diesen Korngold vorher gegeben hätte.

Man kennt Sie als klassischen Geiger. Aber Sie haben seit 2000 auch ein eigenes Jazz-Quintett.

Schmid: Jazz ist als Kunstform der Klassik ebenbürtig, auch wenn andere Parameter herrschen. Ich kann mir kein Leben vorstellen, wo ich nur Noten spiele und nicht improvisiere. Das Improvisieren ist eine große Quelle der Inspiration. Schon als Kind habe ich Platten von Stéphane Grappelli gehört. In den 80er und 90er Jahren hab ich mit ihm sogar einige Male musiziert. Grappelli ist so etwas wie der Pate der Jazzvioline. Die Szene hat sich gewandelt, aber er ist mein Hero geblieben.

Karten für das Konzert am Samstag, 30. Januar (19 Uhr), im Stadttheater im AZ-Service-Center. Einführung um 18.15 Uhr im Theater-Oben (Eintritt frei).

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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