Buchloe
Ein Haus mit langer Geschichte

Nur der letzte Anstrich fehlt noch. In Grün. Mit dem Pinsel in der Hand steht Karlheinz Nusser im Garten seines Hauses und streicht hölzerne Fensterläden. Originalgetreu, betont er. Viele Arbeitsstunden und fast 100000 Euro hat der 57-Jährige in den vergangenen eineinhalb Jahren in das Einfamilienhaus in der Buchloer Schrannenstraße investiert. Ein Haus, das eine lange Geschichte hat. Schließlich war es das erste Kolpinghaus in der Geschichte der Stadt.

Im Sommer des Jahres 1948 begann die Kolpingfamilie ohne Eigenkapital mit dem Bau des Hauses. Durch Zuschüsse, Spenden, Theatereinnahmen und zinslose Darlehen von Gönnern und Mitgliedern wurde es finanziert. Damals bestand große Wohnraumnot. Vor allem wegen des Zustroms der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. «Nur die Beschaffung von neuem Wohnraum und die Erstellung neuer Wohnhäuser kann hier eine Auflockerung und Besserung bringen», stand damals in der Zeitung geschrieben. Schon nach einem Jahr stand das Haus zum Verkauf. Und Nussers Vater, damals Vorsitzender der Kolpingfamilie, machte von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch. Seitdem ist das Grundstück samt Gebäude in Familienbesitz. Wo sich heute eine moderne Küche befindet, fanden vor 60 Jahren Gruppenstunden und Versammlungen statt.

Zudem gab es zwei Wohnräume im Erdgeschoss sowie eine weitere Wohnung im ersten Stock. Dort, so erzählt Nusser, hätten im Lauf der Jahre die Kirchenchorleiter gewohnt. Für 100 Mark Miete. «Meine Eltern wollten kein Geschäft machen, sondern eine gute Tat vollbringen», sagt er.

Im August des Jahres 1954 siedelte die Kolpingfamilie um. In der Höllgasse wurde ein neues Kolping- und Jugendheim gebaut. Von diesem Zeitpunkt an wurden Vorträge und Versammlungen in der neuen Bleibe veranstaltet. Das Haus in der Schrannenstraße blieb jedoch als Wohnhaus der Nussers erhalten.

Oberländer Stil

Vor knapp zehn Jahren übernahm Karlheinz Nusser, über 16 Jahre lang selbst Ostallgäuer Bezirksvorsitzender der Kolpingfamilie, das Gebäude. «Mir ist das Haus sehr ans Herz gewachsen und so wollte ich es unbedingt wieder so ähnlich wie möglich umbauen», erzählt er. Es sei auch aus städtebaulicher Sicht sinnvoll, den Originalcharakter zu erhalten. Sprich: Den sogenannten Oberländer Stil mit viel Holz. Nusser begann mit einer Komplettsanierung und erneuerte unter anderem die Fassade des Hauses. Sie wurde isoliert und mit hellem Lerchenholz verbaut. Auch die Sprossenfenster entsprechen den Plänen aus den 1940er-Jahren. Nur der Kellenputz, wie er früher aufgetragen worden war, werde heutzutage aus energetischer Sicht nicht mehr verwendet.

Dass die Sanierung des Hauses genau zum 100. Geburtstag der Kolpingfamilie abgeschlossen wurde, sei reiner Zufall. Und so sind der 57-Jährige und sein Haus in der Schrannenstraße Teil der Feierlichkeiten. Im Garten wird am Samstagabend eine fast zwei Meter hohe Stele samt Hinweisschild auf die Bedeutung des Gebäudes aufgestellt: Ein Kunstwerk aus dunklem Stein, das von Domkapitular Prälat Dr. Bertram Meier enthüllt wird (siehe Infokasten). Nusser ist mit dem Ergebnis seiner Mühen zufrieden. Und die Buchloer sind es scheinbar auch. «Ich habe bisher nur positive Resonanz erhalten», erzählt der 57-Jährige.

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