Apfeltrang
Ein Gotteshaus mit vielen Gesichtern

«Die schöne Raumwirkung wurde durch eine Neuausstattung und Ausmalung im neu-romanischen Stil leider ganz verdorben.» So lautete das Urteil in einem Gutachten über die St. Michael-Kirche von 1919. Doch inzwischen ist das Gotteshaus innen wieder barockisiert und jetzt wurde auch die Außenansicht aufgefrischt. Am Sonntag findet deshalb die Segnung der Kirche durch Weihbischof Anton Losinger statt.

Von Mitte April bis jetzt dauerten die Arbeiten an der Fassade. Rund 140000 Euro wurden dafür veranschlagt, für die die Diözese (60 Prozent), die Kirchenverwaltung und die Gemeinde aufkommen, erklärt Medardus Wintergerst von der Kirchenverwaltung. Dafür wurde die Fassade komplett renoviert, das Kreuz auf der Kirchturmspitze vergoldet und die darunterliegende Kugel ersetzt, berichtet Wintergerst weiter. Am Mittwoch bauten die Handwerker das letzte Gerüst an der Außenmauer ab. Darunter kommt eine 305 Jahre alte Kirche im barocken Stil zum Vorschein.

Das Gebäude wurde auf einem Vorgängerbau errichtet, der vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammt - so lange gibt es schon eine Pfarrkirche in Apfeltrang. Der Chor und das Langhaus sind spätgotisch, der Turm wurde 1653 mit Spitzhelm gebaut, so die Beschreibung im Kirchenführer.

Anfang des 18. Jahrhunderts bekam Baumeister Augustin Sickl den Auftrag, die Kirche zu erneuern: Chorbogen und -gewölbe wurden neu errichtet, das Langhaus erweitert und Seitenkapellen angebaut, dazu kam die Sakristei. 1704 wurde das Gebäude von Weihbischof Johann Egloff von Westernach geweiht. 1745 erhielt der Turm ein weiteres Geschoss und eine Zwiebelhaube.

Doch im darauffolgenden Jahrhundert wurde das Gotteshaus neuromanisch gestaltet und zwei Emporen eingebaut: «Im Hochaltar ein plumpes Hochrelief, an den Decken Bilder, erstickt und voll Schimmel. Die Belichtung der Kirche leidet durch die grau gemusterten Scheiben», kritisierte das spätere Gutachten. 1923/24 erfolgte deshalb eine Innenrenovierung, die frühere Bausünden neutralisierte oder neubarock umgestaltete.

Damals wurden auch die Kuppelfresken und Deckenbilder gefertigt. Der Hochaltar wurde 1931 und nochmals 1990 ersetzt - 2001 kam ein Volksaltar mit eingelassenen Reliquien hinzu. Bemerkenswert sind noch die Orgel von 1892 mit «einem Manual zu acht Registern und im Pedal zwei Register mit pneumatischer Kegellade», beschreibt der Kirchenführer.

Zudem ist eine der Figuren, die Heilige Barbara, wohl um 1460 entstanden. Im Turm hängen heute fünf Glocken - bis 1942 waren es nur vier. Nachdem im Krieg drei eingeschmolzen werden mussten, konnte vor 1949 noch Gussmaterial beschafft werden, das sogar für eine Glocke mehr reichte.

Am Sonntag werden zur Segnung durch Weihbischof Losinger alle Fünf läuten.

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