Gestratz
Ein ganzes Leben für die Kirchenmusik

Nach 50 Jahren als Chorleiter legt Ernst Müller am Sonntag im Rahmen des Pfarrfestes den Taktstock in die Hände seines Sohnes Markus. Für den Kirchenchor Gestratz beginnt damit eine neue Ära. In der Geschichte der kleinen Argental-Gemeinde hat sich Müller längst verewigt. Neben dem Kirchenchor leitete er von 1965 bis 1992 auch die Musikkapelle und zählte 1986 zu den Gründern der Gestratzer Alphornbläser, die er bis 2008 ebenfalls leitete.

«Ernst, du kannst singen, das machst du» - mit diesen Worten einer Chorsängerin begann 1959 die Arbeit des damals 20-jährigen Ernst Müller als Leiter des Gestratzer Kirchenchors. Fünf Jahre lang hatte er damals schon mitgesungen. «Ich habe nicht wirklich überlegt, was da auf mich zu kommt», stellt er rückblickend fest, «aber nie mein spontanes Ja bereut».

Eine Ausbildung als Dirigent hat er erst 1978 bekommen: «Kurse gab es vor 50 Jahren in der Umgebung noch nicht». Geprägt hat ihn die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Organisten, vornan die 40 Jahre, in denen Melanie Fink an der Orgel saß: «Wir waren ein gutes Team». Nicht weniger als sechs Pfarrer hat er in den 50 Jahren in Gestratz erlebt.

Verbunden war Müller stets mit der traditionellen Kirchenmusik. Ein Höhepunkt für ihn war die jährliche Aufführung der «Pastoralmesse» von Karl Kempter an Weihnachten. Diese Tradition übernahm er von seinem Vorgänger - und er gibt sie an seinen Nachfolger weiter. Häufig sang der Chor an Ostern das «Hallelujah» von Georg Friedrich Händel. «Eine echte Herausforderung für uns als verhältnismäßig kleinen Chor», stellt Müller fest. Die Zahl der Mitglieder sei stets zwischen 25 und 30 gependelt. Mit Ernst Schmid und Herbert Rieser singen noch heute zwei Sänger mit, die schon vor 50 Jahren dabei waren.

Lieber früher in die Kirche

Manch eine Veränderung hat Müller in seiner Zeit als Chorleiter erlebt. 1959 wurde zweimal monatlich eine Messe ausschließlich in lateinischer Sprache gesungen - heute ist das meist nur noch an den Hochfesten der Fall. Auch er selbst habe sich verändert: «Früher kam ich schon einmal auf den letzten Drücker zur Messe, aber mit den Jahren habe ich gelernt, dass es innere Ruhe gibt, wenn ich frühzeitig in der Kirche bin».

In den 1960er-Jahren waren Ausflüge in die nähere Umgebung noch etwas Besonderes: «Damals fuhren wir als Chor an den Bodensee oder zum Schloss Neuschwanstein». Inzwischen sind es die Besuche von Aufführungen in Altusried oder Bregenz, die die Chorgemeinschaft vertiefen.

Freude an Musik geteilt

Ernst Müller ist fest in Gestratz verwurzelt. Aufgewachsen auf dem elterlichen Hof übernahm er zunächst die Landwirtschaft in Unterschmitten, um später als Schreiner und bei Dethleffs in Isny zu arbeiten. Doch noch heute lebt er im Elternhaus, inzwischen seit 48 Jahren gemeinsam mit seiner Ehefrau Betty. «Sie hat alles stets mitgetragen», stellt er bewegt fest. Und auch seine Freude an der Musik hat seine Ehefrau geteilt; sie singt seit nunmehr 37 Jahren im Kirchenchor mit. Vier Kinder haben die Müllers, und die Freude an der Musik haben sie ihnen in die Wiege gelegt.

Sohn Franz übernahm 1992 die Leitung der Musikkapelle vom Vater. Der jüngste Sohn Markus ist künftig Kirchenchorleiter. Er hatte einige Jahre Zeit, sich auf die Aufgabe vorzubereiten und hat schon den Chorleiterlehrgang absolviert.

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