Schwangau
Ein Fernsehmann mit viel Respekt vor den Menschen

Klaus Röder ist es nicht gewohnt, dass ihn jemand befragt. Für den Schwangauer, der in München-Pasing geboren wurde, ist das eine «schwierige Situation». Denn normalerweise ist er es, der Fragen stellt - hinter der Kamera, immer aus dem Off, für seine sensiblen und tiefgehenden Filme über die Schwangauer, die Allgäuer, die Bayern. Menschen will er ins rechte Licht rücken, ihr Leben so zeigen, wie es ist.

Es sind Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen. Und auch Klaus Röder stellt sie nicht ins Rampenlicht. Dazu hat er vor diesen Menschen viel zu viel Respekt. «Ich lebe von den Leuten vor meiner Kamera, ich bin darauf angewiesen, dass sie sich öffnen. Selbst fällt mir das schwer. Ich weiß halt zu gut, dass man da sehr leicht ins offene Messer laufen kann.»

Auch wenn man ihn deshalb kaum einmal auf dem Bildschirm sieht - Ausnahme ist gerade die kleine Serie über eine Kanufahrt den Lech hinab von Füssen bis Augsburg - ist Klaus Röder im Bayern-Fernsehen sehr oft präsent. «Unter unserem Himmel», «Aus Schwaben und Altbayern» oder «Spessart und Karwendel» sind die Reihen, für die er arbeitet, außerdem für die Redaktion Kultur und Familie. In solchen Sendungen feiern die bayerischen Klischees manchmal fröhliche Urständ - aber nicht, wenn ein Röder-Film läuft.

«Das ist auch so ein Anliegen von mir: Die Bayern von ihren Klischees zu befreien.» Es gelingt ihm ganz gut - ob mit den Holzern in der Bleckenau, wo einst König Ludwig II. die Natur genoss. Oder mit den Fischern auf Herrenchiemsee, eine «aussterbende Rass», denen er ein Denkmal gesetzt hat. Manchmal taucht der Name Röder auch im sogenannten «Kultur-Ghetto» mitten in der Nacht auf. Zum Beispiel mit «Reutte - Reschen - Rom». Doch das war für den BR nicht unbedingt das Richtige. «Es ist immer schwierig, neue Strecken zu entwickeln. Das dauert oft», sagt Röder. Mit dieser Reise von jungen Leuten im alten Pick-up wechselte er zu einem Privatsender in Österreich.

Er kann das, denn er arbeitet freischaffend. Nach der Schulzeit in Hohenschwangau («Aber da reden wir jetzt nicht drüber») ging er zwei Jahre nach England. Eine Fotografenausbildung folgte und ein Job beim BR als Kamera-Assistent. Das war die Zeit, als Klaus Röder in der ganzen Welt herumkam und Fernsehfilme drehte. Als diese Zeit um war, kehrte er zurück in seine Heimat Schwangau und machte sich selbstständig.

Viel Spaß beim Drehen

Seit 1992 arbeitet er freiberuflich für den BR, 2002 gründete er außerdem seine Firma SMAC (siehe Infokasten). Dass er trotzdem nicht immer machen kann, was er will, liegt manchmal auch an der «zaachen Bürokratie» der öffentlich-rechtlichen Sender. Röder entringt sich einen Seufzer: « Viel meiner Energie fließt in das Thema - und dass ichs durchbring.

Das Drehen macht dann einfach Spaß.» Zwölf Drehtagen und zwölf Schneidetagen in München gehen deshalb oft lange Vorbereitungen und Verhandlungen voraus.

Trotzdem laufen im Jahr zwei bis drei 45-Minüter und fünf bis sechs kleinere Sendungen im BR. Die Vorbereitung findet meist in Schwangau statt, wo Röder vor Jahren einen alten, denkmalgeschützten Kleinbauernhof gekauft und mit seiner Frau Anne liebevoll instand gesetzt hat. Das ist seine Insel, sein Rückzugsgebiet, hier tankt er Kraft und verbindet seinen modernen Beruf mit der Tradition der Heimat.

Er fährt auch mit dem Quad ins Holz, um den echten Bullerjan zu heizen, der in der zum Wohnbereich gestalteten Tenne steht - unter Schwemmholz aus dem Forggensee, Kanus und Bogenscheiben, Steinen von der Mittelmeerküste und Kieseln aus dem Lech. Die Familie lebt während der Woche in München, Röder pendelt oft.

Aber das Allgäu, das ist seine Heimat. «Als meine Eltern hierher kamen, war ich acht Jahre alt. Und hier begann mein Leben.» Alles hat er mitgemacht als Bub und Jugendlicher. Bis es ihm im Allgäu doch zu eng wurde. Jetzt, mit 49, weiß er, dass man als Junger raus muss, und erfahren, was man «drinnen» hat. Diese Erfahrungen versucht er seit gut einem Jahr als Schwangauer Gemeinderat und Jugendbeauftragter weiterzugeben.

Dort fühlt er sich absolut unabhängig, auch wenn oder gerade weil er für die Freien Wähler angetreten ist. Es gibt kaum einen Satz, den er mehr ablehnt als «Des hot ma allat scho so gmacht.» Im Rat steht er zu seinen Entscheidungen, was nicht einfach ist. «Auch ich war früher ein Kritiker. Aber jeder, der Kritik übt, muss sich erst mal reinsetzen und aktiv Mitwirken an diesen Entscheidungen. Dann sieht man vieles mit anderen Augen, weil man seine eigenen Interessen und Sichtweisen manchmal zurückschrauben muss. Und ich muss auch nicht immer recht haben.» Dafür hat Klaus Röder als Gemeinderat wie auch in seinen Filmen viel zu viel Respekt vor den Menschen.

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