Allgäu
Ein Engel, der glücklich macht

3Bilder

«Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit.»

«Momo», Sechstes Kapitel

Isny «Momo ist die schöne Personifizierung eines Engels», sagt Frierich Hechelmann. «Das Wirken dieses Engels ist segenreich, beglückend und verhindert das Schlimmste.» Der 61-jährige Maler aus Isny spricht von einer berühmten Romanfigur, Michael Endes «Momo», einem kleinen Mädchen, das die Menschen vor den Grauen Herren rettet, die allen die Zeit stehlen. Für die Neuausgabe des Romans anlässlich des 80. Geburtstages des Autors Michael Ende (1929 - 1995) hat Hechelmann 31 Bilder geschaffen, die nun mit den Entwürfen in der Kunsthalle im Schloss Isny zu sehen sind.

«Ein gutes Buch muss für Erwachsene und Kinder gleichermaßen spannend sein», sagt Hechelmann. Und «Momo» ist für ihn ein gutes Buch, das von vielen zu Unrecht in die Kategorie Kinderbuch eingeordnet werde. «Die Trennung in Erwachsenen- und Kinderliteratur finde ich pervers und irrsinnig», sagt er. Kinder mit spezieller Literatur zu bevormunden, hält der Künstler für falsch. «Was Kinder von Erwachsenen vor allem unterscheidet, ist, dass sie noch nicht geprägt sind. Doch zur Prägung ist nur das Beste eigentlich gut genug.»

Hechelmanns Beschäftigung mit «Momo» begann vor über zweieinhalb Jahren und sie war überschattet vom Tod seines Lebensgefährten Joseph Baschnegger. «Es war die schlimmste Zeit meines Lebens», sagt er sich. «Aber die große Herausforderung hat mich gereizt.

» Dass der Roman im Grunde in der Gegenwart spiele, habe ihn zunächst irritiert. «In meinen Bildern geht es um viel Fantasie, sie sind märchenhaft, weltenthoben», sagt Hechelmann, der auch Boccaccios «Decamerone» und die Bibel illustrierte. In Momo gehe es «knallhart um unsere Realität». So gesehen würden die Bilder eine Sonderstellung in seinem Werk einnehmen.

Doch wie geht man vor, wenn man den Auftrag hat, Bilder für einen Roman zu entwerfen? «Ich bin wie immer, wenn ich ein Buch richtig lesen will, damit weggefahren, in den Süden.» Nach intensiver Lektüre habe er «Momo» lange liegen gelassen, damit «die Bilder präziser werden.». Dann folgten Bleistiftzeichnungen auf Transparentpapier und später auf grundierten Holzplatten 31 Bilder in gewohnt transparenter Hechelmann-Technik. «Wichtig war, dass jedes Bild für sich steht und auf den Betrachter eine Faszination ausübt.»

«Ein sehr ernster Mensch»

Vor 25 Jahren hatte Hechelmann Michael Ende, der am 12. November 80 Jahre werden würde, kennengelernt. «Er war ein sehr ernster Mensch. Wir haben wenig gelacht, weil wir in unseren Gesprächen immer über die Gesellschaft geredet haben», erinnert er sich. 1984 wollte Ende den Isnyer für die Ausstattung der Verfilmung seiner «Unendlichen Geschichte» gewinnen. Doch Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Wolfgang Petersen hatten andere Pläne. Dennoch kam es 1988 zu einer Zusammenarbeit.

Hechelmann illustrierte damals Endes Buch «Ophelias Schattentheater». Was damals galt, gilt auch heute. «Meine Momo-Bilder sollen nur ein Einstieg, ein Fenster für den Leser sein», sagt er. Deshalb biete er in seinen Bildern vor allem «fast nur große Totalen» an, die der Fantasie des Betrachters viel Raum lassen.

Nur einmal zeigt Hechelmann Momo groß, aber auch da lässt er - typisch für seinen Stil - vieles im Unklaren, denn das Gesicht ist weitgehend von einer Tasse verdeckt.

Öffnungszeiten der Ausstellung in der Kunsthalle im Schloss Isny: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Öffentliche Vernissage am heutigen Samstag, 19. September, um 19.30 Uhr.

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