Fischen / Buchs
Ein Elektroauto mit echtem Fahrvergnügen

Das Gefühl, so in den Sitz gepresst zu werden, kennt man sonst nur von Start eines Flugzeugs. Josef Althaus hat gerade Gas gegeben, und das grüne Cabrio zischt los wie eine Rakete. Allerdings fast geräuschlos. Denn der Flitzer ist ein Elektro-Auto. Präsentiert wurde es kürzlich zusammen mit dem Konzept Naturdorf Fischen in der Oberallgäuer Gemeinde.

Raus aus der Öko-Nische

Der gebürtige Fischener Althaus ist Professor an der Interstaatlichen Hochschule für Technik in Buchs (Schweiz). Ein Student hatte die Idee, als Bachelor-Arbeit ein «etwas anderes» Elektromobil zu bauen. Motto: Raus aus der Öko-Nische, rein ins Fahrvergnügen, erzählt Althaus. Unterstützt wurde das Projekt von der Brusa AG, einem Marktführer für Elektromotoren.

Zwei Motoren mit je 95 Kilowatt treiben die Hinterräder an. Damit beschleunigt das Auto in fünf Sekunden von null auf 100. Eine Gangschaltung braucht es nicht. Der Elektromotor hat in jedem Drehzahlbereich das gleiche Drehmoment. Das heißt: Auch wenn man bei Tempo 90 Gas gibt, wird man in den Sitz gepresst. Der Elektromotor setzt über 90 Prozent der Energie in Bewegung um, so Althaus.

Beim Benzinmotor sind es nur 17 Prozent, beim Diesel 20. Der Vorteil der Verbrennungsmotoren ist jedoch, dass sie sich Sauerstoff aus der Luft holen, während eine Batterie alle Komponenten für die Reaktion mitführen muss und darum sechs Mal schwerer ist.

Die Reichweite des E-Autos beträgt circa 120 Kilometer. Für eine weitere Bachelor-Arbeit wird aber laut Althaus ein Verbrennungs-Aggregat (range extender) entwickelt, das während der Fahrt die Batterien lädt. Kann man dann nicht gleich mit Benzin fahren? Irrtum. Da dieses Aggregat immer im optimalen Drehzahlbereich arbeitet, kann man mit der gleichen Menge Benzin doppelt so weit fahren, erklärt der Professor. 2013, so schätzt Althaus, werde es erste serienreife Elektro-Autos geben. Nach Ergebnissen der Stromkonzerne seien aber auch bei einem Marktanteil der E-Autos von 20 Prozent keine zusätzlichen Kraftwerke nötig.

Günstig sei, dass Elektroautos meist nachts aufgeladen werden. Damit sei eine effektivere und umweltfreundlichere Stromproduktion möglich, da Kraftwerke nachts auf Teillast laufen und ihr Wirkunsgrad deshalb schlecht sei. Die Produktion des Autostroms sei aber auch über Photovoltaik-Anlagen in der Größe von zwei Parkplätzen möglich, sagt Althaus. An einer normalen Steckdose dauert das Laden der Batterie vier Stunden. Ist genug Ladestrom verfügbar, genügen auch 15 Minuten.

Preiswerter Betrieb

Dem preiswerten Betrieb des E-Autos (zwei bis drei Euro pro 100 Kilometer) stehen derzeit noch hohe Anschaffungskosten gegenüber. Das grüne Cabrio etwa würde 100000 Euro kosten. Vor allem die Batterien sind preislich noch nicht konkurrenzfähig. Aber das werde sich ändern, ist sich Althaus sicher.

Die deutschen Autohersteller hätten das Thema Elektoauto bisher trotz der drohenden Erdölknappheit schlicht verschlafen. Nun würden sie kleinen Pionierfirmen wie Brusa die Tür einrennen, um bald ein eigenes E-Modell präsentieren zu können. Auf der Straße bedeuten E-Autos nicht nur eine Umstellung für ihre Lenker. Denn weil sie so leise fahren, wird mehr Aufmerksamkeit von allen Verkehrsteilnehmern verlangt. In Japan tönen schon Fahrgeräusche aus Lautsprechern, um Fußgänger zu warnen. Vielleicht stellt sich ja irgendwann jeder seinen Lieblings-Autoklang selbst zusammen, wie Klingeltöne fürs Handy.

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