Arbeitsmarkt
Ein Dezember so gut wie lange nicht mehr

106 lautet die Superzahl für Dezember. So viele Arbeitslose verzeichnete die Agentur für Arbeit in Kempten in diesem Monat mehr, als im November. Das klingt zunächst wenig erfreulich. Gemessen an den vergangenen zehn Jahren ist es aber der beste Wert für einen Dezember. Zum Vergleich: 2008 war der negative Spitzenwert ein Zuwachs von 977 Arbeitslosen.

«Wir hatten im Dezember schon andere Sprünge», sagt der Kemptener Agenturchef Peter Litzka. Sein Memminger Kollege Peter Rasmussen bestätigt: «Trotz winterlicher Temperaturen hat sich unser regionaler Arbeitsmarkt im Dezember gut behauptet. Die Zahl der arbeitslosen Menschen hat sich nur leicht erhöht.» Derzeit sind die Quoten sowohl in Memmingen mit 2,8 als auch in Kempten mit 3,8 Prozent unverändert zum November.

Gründe für den positiven Dezemberwert sind nach Ansicht von Litzka zum einen die gute Konjunkturlage, zum anderen das Saisonkurzarbeitergeld. Dieses gibt es von Dezember bis März, wenn wegen schlechten Wetters die Arbeit ausfällt. Allerdings betrifft es nur die Baubranche. Es auf andere Bereiche - zum Beispiel den Tourismus - auszudehnen sei schwierig, da es aus einer Umlage finanziert werde, die die Baubetriebe selbst leisten.

Würde man dieses System in anderen Branchen einführen, «gäbe es sicher zunächst Widerstände», sagt Litzka.

Weniger Junge ohne Job

Erfreulich entwickelte sich die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren. Sie sank im Bereich Kempten verglichen mit November um 4,8 Prozent auf 936 Personen. Gemessen an 2009 sind es sogar rund 40 Prozent weniger. Im Raum Memmingen ging sie um rund 14 Prozent auf 125 Personen zurück. «Jugendliche haben am stärksten von der wirtschaftlichen Erholung profitiert», sagt Litzka. Die besten Job-Chancen hätten bei ihnen - wie bei allen Arbeitslosen - die mit Ausbildung.

Was den Stellenmarkt betrifft, gab es im Dezember 2010 im Agenturbezirk Kempten mit knapp 1000 über 50 Prozent mehr neue Arbeitsplätze als 2009. Scherpunktmäßig wird in der Metallverarbeitung, Elektrotechnik, am Bau, im Tourismus - allen voran Köche - sowie im Pflegebereich gesucht. Wobei der Tourismus teils Rekrutierungsprobleme habe. «Ausbildungsplätze in dieser Branche stehen bei Jugendlichen nicht an erster Stelle», sagt Litzka. Gründe seien unter anderem die Arbeitszeiten und die saisonale Abhängigkeit in diesen Berufen.

Tourismus stabilisiert

Allerdings habe die Toursimusbranche gerade in der Wirtschaftskrise auch eine stabilisierende Wirkung gehabt. So ging der Trend in der Region laut Litzka bis Anfang 2009 deutlich nach unten - mit Ausnahme des südlichen Oberallgäus, wo es viele Tourismusbetriebe gebe. Deshalb sei schon zu überlegen, einen solchen Beruf zu wählen.

Betrachtet man das ganze Jahr 2010, setzte ab Mai die Trendwende ein und es ging aufwärts. Mittlerweile sind laut Litzka beinahe die guten Werte von 2008 wieder erreicht. «2010 war ein Jahr, das uns vorangebracht hat», sagt der Agenturchef. Und das, obwohl zu Beginn «kaum einer mit dieser positiven Entwicklung gerechnet hätte».

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